Bei Spreeblick toben gerade Diskussionen zur Piratenpartei, die bei einer aktuellen Twitter-Umfrage CSU-ähnliche 57% erreicht. Konrad, ein mutmaßliches Piratenpartei-Mitglied, stellt in den Kommentaren die entscheidende Frage:
Mein letzter Punkt. Es wird uns oft vorgehalten, dass unser Programm etwas mager ist und wir doch bitte Stellung zu anderen Themen beziehen sollen.
Dazu kann ich sagen. Ja das Programm ist mager. Es ist kurz. Aber kann sich überhaupt IRGENDJEMAND vorstellen, was für ein Aufwand es ist Themeninhalte zu entwickeln, die außerhalb dessen liegen, worüber sich die Piraten zusammengefunden haben?
Ja. Mindestens 1,4 Millionen Menschen in Deutschland wissen sehr genau, wie schwierig es ist, Partei zu sein. Sich mit anderen zu einigen, obwohl man ähnliche Ansichten hat. Obwohl man etwas erreichen, vielleicht etwas verändern möchte. Obwohl man ein gemeinsames Ziel hat. Dass jedes Komma, jeder Punkt erkämpft und erstritten sein will. Dass es anstrengend ist, eine Position zu finden. Dass man andere überzeugen muss. Dass dazu auch gehört, Niederlagen einzustecken. Dass nicht alles einfach ist. Dass es auch mal hässlich werden kann.
Aber auch: dass es Spaß macht. Dass es lehrreich ist. Dass man etwas bewegen kann. Kurzum: dass es Freude bereitet, Partei zu sein. Aktiv zu sein.
Vielleicht lernt das die Piratenpartei noch. Momentan sieht es eher schlecht aus.
11 Kommentare
„Die Piratenpartei will sich auf die im Programm genannten Themen konzentrieren, da wir nur so die Möglichkeit sehen, diese wichtigen Forderungen in Zukunft durchzusetzen.” So steht es in der Präambel der Partei und zzt. sind im Programm die bekannten Themen wie Datenschutz und Urheberrecht. Mehr ist auch nicht von der Piratenpartei zu erwarten. Es steht ja auch keine andere Weltanschauung dahinter, als es beispielsweise bei den Grünen gewesen ist, die nie nur eine Umweltpartei waren. Die Piraten dagegen sind nur eine Internetpartei, was auch grundsätzlich nicht verwerflich ist, aber aktuell sehe ich wenig Chancen, dass aus dem deutsche Ableger mehr wird und stattdessen ein Schattendasein fristen wird.
Ich brauche auch keine Piratenpartei. Die sollen zu uns kommen. :-)
ja, dafür machen wir es den Piraten leider etwas zu schwer ;-) Aber die Zeit spielt für uns, irgendwann rückt die sog. C64 Generation nach! Dann ist auch so einiges bei uns zurechtgerückt und die Piraten können sich gerne wieder auflösen und alle zu uns rüber kommen.
Ich wäre auch dafür, wenn die Piraten eine Heimat bei den Linken fänden. Es wird tatsächlich Zeit, dem Bündnis von Rechtsparteien, das uns aktuell beherrscht, etwas entgegen zu setzen.
Also:
1. Die Piratenpartei ist keine Internetpartei, das Ziel der Piratenpartei ist nicht für das freie Internet zu kämpfen.
Die Ziele der Piratenpartei sind Bürgerrechte und Demokratie.
Für die man heutzutage leider auch mit Punkt und Komma kämpfen muss!
Daraus folgt:
2. Die Themen der Piratenpartei sind sehr konzentriert auf die Kernproblematik der fehlenden Demokratie und der geschwächten Bürgerrechte. Daraus resultieren implizit Lösungen für die meisten anderen Bereiche in der Politik, auch wenn diese nicht explizit im Sechspunkte Programm der Piratenpartei aufgeführt werden.
Ausserdem ist die Piratenpartei werder links noch rechts sondern Zukunftsorientiert. Es steht keine Ideologie dahinter und dadurch komme ich zu:
3. Die Piratenpartei wird sich keiner grösseren Partei angliedern.
Im gegenteil, man wird besonders darauf achten, nicht von diesen geschluckt zu werden, so wie es die PDS 2007 mit der WASG gemacht hat (http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_&_soziale_Gerechtigkeit_%E2%80%93_Die_Wahlalternative)
Die Piraten in der SPD wurden ja auch schon zum Kentern gebracht.
Freie und mündige Bürger entspringen der Internetnutzung und sie sind darum keine Kämpfer für das Internet.
Aber es wundert mich kaum, dass die anderen, die Etablierten und sowieso das gesamte Establishment, denen dadurch ein Stück vom Kuchen genommen werden könnte, dem Wähler, genau diesen Bären aufbinden wollen und oberndrein mit allen Mitteln versuchen, diese, achtung, Wahlalternative aus dem Weg zu räumen.
Vielen Dank für Auge und Hirn
Ich halte die Piratenpartei nicht für eine Bürgerrechtspartei. Dazu gehört deutlich mehr als sich gegen Internetsperren und unsinnige Urheberrechte zu stellen.
Was in diesem Zusammenhang übrigens Hoffnug macht, ist, dass der Pirat im Europäischen Parlament sich der Grünen-Fraktion angeschloßen hat, also dem klar linken Lager zugeneigt ist.
Hat vermutlich damit zutun, dass linke Parteien traditionell stärker für Bürgerrechte und Freiheit (jedenfalls in gesellschaftspolitischer Hinsicht) eingetreten sind als rechte oder konservative Parteien.
„Dazu gehört deutlich mehr als sich gegen Internetsperren und unsinnige Urheberrechte zu stellen.„
Dann lies doch mal das Parteiprgoramm anstatt ständig auf den Quatsch aus dem Fernsehen reinzufallen
Ich habe im Fernsehen noch nie etwas über die Piraten gehört (ist mein ernst, ich gucke aber auch kaum Fernsehen) ;).
Für mich gehört zum Begriff „Bürgerrechtspartei” auch eine historische Dimension sowie ein ideologisches Fundament, wie sie Liberalismus und Sozialdemokratie anbieten.
In einer potentiell äußerst heterogenen Partei wie den Piraten kann man sich vielleicht auf Freiheit im Internet verständigen, aber es gehört, wie gesagt, mehr dazu als internetbezogene Ideen wie sie die Piraten haben.
Vielleicht verstehst du nicht ganz, worauf ich hinaus will: Ich unterstütze die Piratenpartei, und unter den Kleinstparteien wäre sie auch meiner ersten Wahlen ;). Ich wehre mich nur dagegen, den historisch gewachsenen Begriff „Bürgerrechtspartei” einfach mal eben auf dieses heterogene Gebilde anzuwenden, das garnicht die ganze Palette an Bürgerrechtsideen abdecken kann, jedenfalls noch nicht.
Und wieder reduzierst du die Themen der Piratenpartei auf das Internet.
Das ist falsch
Die Piratenpartei steht auch für freies Wissen und den Transparenten Staat ein, abgesehen davon, das Datenschutz und Urheberrechte nichts sind was an das Internet gebunden ist.
Auf der Seite der Piratenpartei finde ich folgende Forderungen:
–Informationelle Selbstbestimmung
–Patentrecht einschränken
–Einschränkung des Urheberrechts
–Transparenterer Staat
–Open Access bei Software und in der Forschung
Punkt 5 ist interessant, aber sehr fixiert auf die IT-Branche. Punkt 4 und Punkt 1 sind mit Sicherheit Forderungen nach mehr Bürgerrechten. Punkt 2 und Punkt 3 können durchaus auch als Angriffe auf Bürgerrechte gewertet werden. Ich bin sicher, dass viele Bürger das Urheberrecht auch an sogenanntem „geistigem Eigentum” befürworten und auch das jetzige Patentrecht, obwohl es teilweise in einer Grauzone operiert, akzeptieren.
Hierbei handelt es sich nicht um meine persönliche Einstellung zu diesen Punkten.
Du meinst, der Punkt „Open Access bei Software und in der Forschung” sei „aber sehr fixiert auf die IT-Branche”. Das sehe ich als Physikstudent anders. Tatsächlich lassen sich viele staatlich finanzierten Forschungsinstitute ihre Erfindungen auch auf dem Feld der Grundlagenforschung patentieren, sodass andere auch staatlich finanzierten Einrichtungen für die Nutzung dieser Entdeckungen blechen müssen. Natürlich fließt auch ein gewisser Prozentsatz von diesen Patentgebühren an den Staat zurück, aber auch nur, weil „0%” auch ein „gewisser Prozentsatz” ist.
2 Trackbacks
[rotstehtunsgut] Piraten-Lernprozess: Partei werden ist nicht schwer, Partei sein hingegen sehr:.. http://bit.ly/yNp2y
[…] Die Piratenpartei-Anhänger sehen in all diesen Vorgängen kein Problem. „Links“ und „rechts“ sehen sie als überwunden an, „Piraten sind vorne“ – werch ein Illtum! Die Querfront-Strategie der Neuen Rechten, junge Bewegungen als Bündnispartner zu vereinnahmen, um sich auf diese Weise der breiten Öffentlichkeit als arriviert zu präsentieren, scheint bei der Piratenpartei voll auf zu gehen; es bleibt abzuwarten, ob die Piratenpartei dieser Strategie etwas entgegen zu setzen hat, ob sie es schafft, wirklich Partei zu sein. […]