Causa Kraft: Wie Blogger Wahlkampf für die CDU machen

Der Journalist David Schraven (WELT, Ruhrbarone), der für seine Recherche im PFT-Skandal den Wächterpreis erhielt und zuletzt durch seine Berichterstattung um die Causa Koch-Mehrin aufge­fal­len ist, hat ein neues Thema gefun­den: Hannelore Kraft, NRWSPD-Chefin. In einem ersten Artikel wirf er ihr, durch Fragen geschickt verklau­su­liert, vor, sie sei in einen NRW-Förderskandal in ihrer Eigenschaft als Zenit-Angestellte verwi­ckelt gewesen und habe deshalb ihren Lebenslauf gefälscht.

Die NRWCDU hat diese Steilvorlage dankbar aufge­grif­fen und eine Kampagne gestar­tet, die man einfach nur noch als perfide bezeich­nen kann. Den Namen der poli­ti­schen Mitbewerberin zu verfrem­den („Krafilanti“) und somit den poli­ti­schen Wettbewerb derart zu vergif­ten, ist absolut schäd­lich für die Demokratie. Ich hatte ja die leise Hoffnung, die CDU hätte ihre Vergangenheit und Adenauers Methoden („Herr Brandt alias Frahm“) hinter sich gelas­sen und Roland Kochs wider­li­che Einlassungen gegen Ausländer seien die Ausnahme, aber offen­sicht­lich habe ich mich getäuscht.

Hannelore Kraft hat auf die Unterstellungen und Behauptungen des Journalisten David Schraven mit einer Unterlassenserklärung reagiert, worauf­hin dieser mit einem ellen­lan­gen Artikel versucht zu belegen, dass er die Unschuld vom Lande sei und die böse NRWSPD unschul­dige Blogger verfolgt. David Schraven ist natür­lich nicht die Unschuld vom Lande, viel­leicht sogar nicht einmal ein Blogger: unter einem Blogger verstehe ich, und ich bin mir sicher, dass man sich auf diese Definition leicht einigen kann, einen Amateur, der aus Spaß an der Freude Texte, Bilder und Videos im Internet veröf­fent­licht. David Schraven ist nun aber kein Amateur; er wäre wohl auch belei­digt, wenn man ihn so bezeich­nen würde, sondern er ist ein Journalist, der sich in seinem Beruf auskennt — wie eingangs erläu­tert.

Hannelore Kraft ist also gegen die NRWCDU und gegen den Ruhrbaron-Journalist David Schraven vorge­gan­gen, weil der Eindruck erweckt wurde, sie sei persön­lich verant­wort­lich zu machen für die NRW-Förderskandale. Dass dies CDU-Politiker freut, ist logisch; dass ein Grünen-Politiker indes­sen die Meinungsfreiheit gefähr­det sieht, ist schon ziem­lich absurd. Von der Meinungsfreiheit gedeckt waren übri­gens noch nie Rufmord und üble Nachrede; nun bin ich zwar kein Jurist, aber als Laie bin ich mir ziem­lich sicher, dass der Ursprungsartikel David Schravens jour­na­lis­tisch und ebenso juris­tisch gesehen nicht einwand­frei war — dies erklärt viel­leicht auch die umfang­rei­che, fast schon trotzig zu nennende Reaktion Schravens („Dann muss ich halt bestraft werden.“) auf die Unterlassenserklärung.

Dass Schravens Beiträge oft mit heißer Nadel gestrickt sind und er sie ändert, ohne dies wirk­lich kennt­lich zu machen, ist bekannt — aktuell machte er Hannelore Kraft von der Wissenschaftsministerin mal eben zu Wirtschaftsministerin, worauf er in den Kommentaren hinge­wie­sen werden musste. Selbst ich als NRW-Unkundiger weiß, dass Hannelore Kraft Wissenschaftsministerin war; dass David Schraven dies nicht weiß, ist natür­lich kein Problem — aber viel­leicht sollte man keine Enthüllungsstorys schrei­ben, wenn schon die grund­le­gen­den Fakten ein Problem darstel­len.

Auf diese Thematik sind natür­lich die allseits bekann­ten Anti-SPD-Hetzer aufge­sprun­gen, die eine Unterlassenserklärung mal eben so zum „Angriff auf die Pressefreiheit” hoch­sti­li­sie­ren — und gleich­zei­tig behaup­ten, David Schraven sei Blogger, ihm also unwis­sen­den Welpen-Status verpas­sen. Dass Spiegel Online den Fall dankbar aufgreift, passt ins Bild.

Für mich hat das posi­tive Bild, das ich von den Ruhrbaronen hatte, erheb­li­che Kratzer bekom­men. Was David Schraven unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit voll­führt hat, ist für mich nichts anderes als Kampagnenjournalismus im BILD-Stil, wenn auch etwas subti­ler — und damit umso gefähr­li­cher.

Was David Schraven mit seinem Artikel bewirkt hat, ist offen­sicht­lich: Blogger machen kosten­lo­sen Wahlkampf gegen die NRWSPD — und damit eben für die NRWCDU. Denn das die Piratenpartei schon im Mai nächs­ten Jahres zur Volkspartei gewor­den ist, glaubt hoffent­lich auch der größte Netzradikale nicht.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

50 Gedanken zu „Causa Kraft: Wie Blogger Wahlkampf für die CDU machen“

  1. Guter Artikel. Ich habe absolut nichts dagegen, wenn Blogger oder meinet­we­gen auch als Blogger firmie­rende Journalisten „Skandale” oder andere Neuigkeiten aufde­cken und den Artikel von den Ruhrbaronen fand ich auch in Ordnung. Es entspricht nunmal den Tatsachen, dass Spitzenpolitiker, die auf ein lupen­rei­nes Öffentlichkeitsbild ange­wie­sen sind, ihre Lebensläufe akri­bisch kontru­ie­ren. Deswegen wundert es mich auch nicht, dass Hannelore Kraft den strit­ti­gen Hinweis aus ihrem Lebenslauf entfernt hat weil sie eine Identifizierung mit dem ZENIT-Skandal fürch­tet.
    Unredlich ist es aller­dings, daraus zu schlie­ßen dass eine Verwicklung mit den dama­li­gen Vorgängen tatsäch­lich statt­fand. Dafür gibt es nämlich keine Beweise.
    Achja: Und zur fixmbr muss man wohl nichts weiter sagen. Die Schreiberlinge dort müssen ein tiefes Trauma mit der SPD erlebt haben, anders ist ihr verbit­ter­tes Einprügeln auf die SPD kaum zu erklä­ren. Habe den RSS-Feed dort vor langer Zeit gelöscht nachdem ein Kommentar von mir grund­los gelöscht wurde.

  2. Wenn ein Journalist den poli­ti­schen Gegner (Causa Koch-Mehrin) angreift, dann ist dies in Ordnung, aber wehe es betrifft Politiker aus der eigenen Partei (Causa Kraft), dann spricht man über Unterstellungen und Behauptungen! Schöne Doppelmoral!

  3. Freunde, Ihr könnt zappeln soviel Ihr wollt, nach der Zustimmung zum Zensurgesetz wählt Euch eh keiner mehr.

    1. »Ich bin nicht der Meinung, dass falsche Tatsachenbehauptungen und Rufmord von Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt sind.«

      Sind sie auch nicht. Nur hat er Herr Schraven keine falschen Tatsachen behaup­tet. Und jeman­dem zu unter­stel­len, er betreibe Rufmord, nur weil er unbe­queme Fragen stellt, ist eine Frechheit! Ihr könnt euch euren Wahlkampf im Internet dennoch abschmin­ken, weil jeder, der mitbe­kom­men hat, wie schänd­lich ihr euch in Bezug auf die Änderung von Telemedien- und Telekommunikationsgesetz verhal­ten habt, unbe­queme Fragen stellen wird. Herrn Schravens Frage wird nicht die letzte unbe­queme Frage gewesen sein. Da könnt ihr auf Unterlassung drängen, soviel ihr wollt! Man muss nicht Jurist sein, um zu sehen, wie absurd die Aufforderung zur Unterlassung war. Reiner Erpressungsversuch. Sowas läuft nicht. Herr Schraven ist kein Dau, der auf solche Bauerntricks herein­fällt. Mit solchen Aktionen macht ihr nur weiter auf eure Unzulänglichkeiten aufmerk­sam.

      Übrigens, von wegen »Rot steht uns gut«. Ihr seid nicht rot. Der Geifer nach Wählerstimmen hat euch doch völlig verwa­schen. Übrig geblie­ben ist ein vergilb­tes rosa, das höchs­tens an Flecken in der Bettwäsche erin­nert. Stärkt euer Rückgrat. Dann bekommt ihr viel­leicht in 20 Jahren nochmal meine Stimme. Falls wir bis dahin nicht wegen eurer kata­stro­pha­len Sozialpolitik Bürgerkrieg haben und Wahlen aufgrund des Kriegsrechts ausge­setzt sind.

  4. Christian, ich würde dazu nicht raten. Selbst wenn man im Recht ist, kann man doch erst einmal beim Journalisten nach­fra­gen und Unklarheiten richtig stellen.

    Auch wenn das auch nicht der beste Stil ist (Politiker sollen keinen Einfluss auf Journalisten nehmen). Aber besser — und taktisch klüger — als eine Unterlassungserklärung.

  5. Gibt ja noch andere Parteien außer SPD, Piraten und CDU. Und das Argument, dass Blogger nicht profes­sio­nell sein dürfen, hängt an einem seide­nen Faden — insbe­son­dere dann, wenn du gleich­zei­tig argu­menst, Schraven sei nicht profes­sio­nell genug. Was denn jetzt: mani­pu­lier­ba­rer Amateur, der noch nicht mal die einfachs­ten Fakten zusam­men­kriegt, oder gevief­ter Profijournalist, der eine perfide Kampagne gegen die darnie­der­lie­gende SPD führt? Plus Streisand-Effekt — selbst wenn an der Sache über­haupt nichts dran ist, macht das Handling durch die SPD keinen guten Eindruck.

    1. Naja, ich gehe davon aus, wie die Allgemeinheit das Wörtchen „Blogger” nutzt. Und ich bin mir recht sicher, dass die Allgemeinheit unter einem „Blogger” keinen gewief­ten Journalisten versteht. Kann mich aber auch irren, klar. Ist auch nicht der Kern meines Beitrags.

      Streisand-Effekt trifft hier nicht zu, wie schon erläu­tert: die NRWCDU-Kampagne exis­tierte bereits vor der Unterlassungsklage, war vermut­lich sogar der Anlass.

  6. Ich halte die Reaktion für richtig, ich kann mir nicht helfen.

    Hier steh ich nun …

    … ich halte die Reaktion auf jeden Fall taktisch für unklug. Man wird sehen, wie SPD-freund­lich (bzw. CDU-feind­lich) die deut­sche Blogosphäre ist.

    1. Hier wird doch nicht zensiert. ;-)

      Die Farben sind wirk­lich „subop­ti­mal”; leider müssen wir die nächs­ten Wochen noch damit leben, habe keine Zeit, das zu ändern.

  7. Ja und? Streisand-Effekt bezieht sich hier m.E. nicht auf die CDU, die zwischen Artikel 1 und Artikel 2 das gefun­dene Fressen dankbar aufgreift, sondern darauf, dass der Versuch, über recht­li­che Wege Infos zu unter­drü­cken, im Netz — wenn genü­gend große Multiplikatoren einbe­zo­gen sind — meist eher Aufmerksamkeit für die zu unter­drü­cken­den Infos gene­riert, also genau das Gegenteil von dem erreicht, was eigent­lich gewollt ist.

    Und nochmal zu Bloggern: wenn jemand vom Bloggen leben kann (Huffington Post, BoingBoing, in Deutschland ist das, soweit ich das über­bli­cke, bei Spreeblick der Fall), oder wenn jemand quasi­be­ruf­lich bloggt (netzpolitik.org würde ich so einord­nen, CARTA auch) — dann erwarte ich zumin­dest, dass da Leute mitma­chen, die nicht einfach nur Internettagebuch schrei­ben.

    Seh’ es ein: aus einer mögli­cher­weise gar nicht vorhan­de­nen Mücke wurde durch die Unterlassungsklage ein Elefant, und alle versu­che, ihn durch lautes Rufen aus dem Porzellanladen zu scheu­chen, müssen mit Scherben enden.

    1. Die Ereignisreihenfolge, Schritt für Schritt:

      1. Ursprünglicher Artikel bei den Ruhrbaronen.
      2. NRWCDU kopiert Artikel und startet Anti-Kraft-Kampagne.
      3. Kraft geht gegen NRW-CDU und Ruhrbarone vor.
      4. SPON berich­tet darüber.

      Ohne die Kampagne der NRWCDU hätte den Artikel wohl wirk­lich quasi niemand mitbe­kom­men.

      Auf diese Kampagne nicht zu reagie­ren käme wohl einem Schuldeingeständnis bzgl. NRW-Förderskandal gleich.

      1. Aha! Es gibt auch ein rotes „Antworten” auf rotem Grund.

        Ja, blöde Situation. Aber trotz­dem: ohne „3” wäre es zu „4” vermut­lich nicht gekom­men. Und mit „3-neu” [„Kraft infor­miert Ruhrbarone genau über ehema­lige Tätigkeit bei XYZ, Ruhrbarone stellen klar, dass viel­leicht doch nichts dran ist”] erst recht nicht.

        1. Das stimmt. Richtig ist aber auch: der Journalist David Schraven hätte das tun können, was Journalisten übli­cher­weise tun sollten: vor dem Veröffentlichen kurz nach­fra­gen, wie das denn so aussieht. Daran hatte Schraven aber wohl kein Interesse. Warum, weiß ich nicht.

  8. Ich sehe das so ähnlich wie Julia. Was bei den Ruhrbaronen stand, war schlicht lächer­lich, viel­leicht wegen der Besucherzahlen aber auch notwen­dig. Was bei Kraft viel­leicht nicht mehr steht, findet sich übri­gens weiter­hin bei der Fraktion sowie der NRWSPD. Wie man dabei auf Zensur und Weltverschwörung kommen kann, weiß außer der CDU, Spon und eben den Ruhrbaronen auch keiner. Ich finde das ziem­lich erbärm­lich, wenn man so lieb­ge­won­nene Publicity zurück­ge­win­nen und halten will.
    Das Hannelore Kraft genauso unge­schickt reagiert hat, stimmt aber auch. Das wirkt einfach wahn­sin­nig unsou­ve­rän…

  9. „Daran hatte Schraven aber wohl kein Interesse. Warum, weiß ich nicht.”

    In diesem Fall selber Schuld. Übrigens gab es diese Vorwürfe bzgl Ihrer Rolle schon früher. Zwar konnte man Kraft anschei­nend nichts nach­wei­sen, aber genauso wenig konnte sie alle Zweifel beiseite räumen.

    Letztendlich ist es ein PR-Gau für Kraft den sie selbst zu verant­wor­ten hat.

  10. Der dama­lige Beitrag aus der taz ist auch recht inter­es­sant:

    „Einen Beitrag dazu könnten neben Wittke auch die frühe­ren SPD-Minister Hannelore Kraft (Wissenschaft) und Harald Schartau (Wirtschaft) leisten, die ihrer­seits Millionen für die Gelsenkirchener Projekte bewil­lig­ten. Kraft demen­tiert, mit der Mittelvergabe befasst gewesen zu sein, und Schartau gibt zu verste­hen, dass er sich ein derart „leicht­gläu­bi­ges” Verhalten in seinem Ministerium nicht vorstel­len kann.”
    http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2007/03/24/a0013

    Ich vermute dass man in der NRW-Lokalpresse ähnli­che Berichte zur Causa Kraft finden wird. Dass das so kurz vorm Wahlkampf für Kraft sehr unge­le­gen kommt, ist verständ­lich, aber die Reaktion ist nicht nur über­zo­gen sondern wird jetzt erst Recht das Interesse an der dama­li­gen Rolle von Kraft wecken.

  11. Hallo Christian,
    danke für die Einladung Deinen Blogeintrag zu kommen­tie­ren.

    Du unter­stellst, der Artikel sei falsch und schlecht recher­chiert, der Autor sei unglaub­wür­dig und mache ja nur „Wahlkampf für die CDU”
    — aber Dein einzi­ger „Beweis” ist, dass die böse CDU das Thema aufgreift.
    (so wie es die SPD umge­kehrt natür­lich auch getan hätte)

    Wenn Du aber — statt in der Sache selbst zu argu­men­tie­ren, was Du nicht tust — nur die abqua­li­fi­zierst, die nicht Deiner Meinung sind,
    musst Du Dich auch nicht wundern, wenn zum. die Nicht-SPDler hier befürch­ten dass Du ein Problem mit der Presse- und Meinungsfreiheit hast, sobald Deine Genossen kriti­siert werden.

    Und mal neben­bei gesagt (und auf die Gefahr dafür verklagt zu werden ;o)
    — Frau Kraft ist ja auch nicht gerade die größte Leuchte in dem schat­ti­gen Haufen NRW-SPD.

  12. Hi Christian Soeder,

    die Ruhrbarone mache ich aus Spaß. Einfach so, weil ich mich für Politik inter­es­siere. Ich verdiene damit kaum Geld. Die Ruhrbarone tragen nicht zu meinem Lebensunterhalt bei. Es ist ein Hobby.

    Es bleibt nur ein Vorwurf. Sie schei­nen zwischen guten und schlech­ten Bloggern unter­schei­den zu wollen? Weil die einen besser als die anderen schrei­ben? Der Vorwurf ist ziem­lich klein­lich, finden Sie nicht? Und mich wegen meines Berufes zum Nichtblogger zu machen — gut, auch ‚ne Position.

    Zu Ihren Vorwürfen:

    a) Es war ein Fehler, dass ich Kraft im kriti­sier­ten Bericht als Wirtschaftsministerin titu­liert habe. Ich hab ihn sofort korri­giert. Natürlich weiß ich, dass Kraft Wissenschaftsministerin war. Hab ich an anderen Stellen oft genug auch geschrie­ben. :-) Ich bitte Sie um Verzeihung. Asche über mein Haupt. Hatte nur kurz vorher mit Thoben zu tun und die Bezeichnungen verwech­selt.

    b) Warum kriti­sie­ren Sie die Länge meiner Stellungnahme? Ich dachte immer der Inhalt wäre entschei­dend.

    Ich habe nie gesagt, dass Kraft als Zenit-Angestellte in den Förderskandal verwi­ckelt war. Das ist eine Unterstellung, die Sie als „Bild-Stil” bezeich­nen würden.

    Ich habe gesagt, dass Zenit vor zwei Jahren in einen Förderskandal verwi­ckelt war und dass dabei die Rolle von Kraft hinter­fragt wurde. Kraft war bis 2005 Wissenschaftsministerin. Sie hat sich poli­tisch am Zukunftswettbewerb Ruhrgebiet betei­ligt, den der Landesrechnungshof kriti­siert hatte. Zumindest hat sie als Ministerin Preise über­reicht und ein Teil des Wettbewerbs wurde über ihr Ministerium abge­wi­ckelt.

    Ist es üble Nachrede, gar Rufmord nach dieser poli­ti­schen Verantwortung zu fragen — oder daran zu erin­nern, dass vor zwei Jahren nach dieser poli­ti­schen Verantwortung gefragt wurde?

    Glauben Sie das tatsäch­lich?

    Ich wieder­hole es gerne. Die Lebenslauf-Geschichte um Kraft ist im Kern ein kleines Stück. Etwas das man erwäh­nen kann. Ein Blog-Beitrag eben.

    Der Stein wurde erst groß, nachdem mich der Rechtsanwalt von Kraft am Freitag auffor­derte bis Montag eine Unterlassung zu unter­schrei­ben und damit einher­ge­hend eine Zahlungsverpflichtung.

    Dagegen habe ich mich gewehrt, indem ich alles, was ich an Dokumenten und Belegen habe, veröf­fent­licht habe. Mit einem Rechtsanwalt konnte ich mich nicht einmal beraten. Woher sollte ich am Samstag einen Rechtsanwalt bekom­men?

    Ihnen gefällt nun die Länge meiner Stellungnahme nicht. Gut, dagegen kann ich nichts tun.

    Ihnen gefällt nicht, dass ich sage, ich werde die Unterlassung nicht unter­schrei­ben und nennen das trotzig?

    Auch das ist Ihr Recht.

    Aber was ist trotzig? Wenn man sich nicht bei dem ersten Gegenwind unter­wirft und kuscht?

    Wäre es Ihnen lieber, man kuscht?

    Zum Schluss: ich mache keinen Wahlkampf für irgend­wen. Diese Unterstellung ist infam. Oder wie Sie sagen: „Bild-Stil”

    Ich bin gefähr­lich? ist das zu sagen guter Stil?

    Ist es eigent­lich guter und rich­ti­ger Stil wegen einer Meinungsverschiedenheit direkt den Counterpart mit Stumpf und Stil zu verdam­men?

    Kann man es nicht auch hinneh­men, dass man mal in der einen Sache verschie­de­ner Meinung ist und in der nächs­ten glei­cher?

    Ich finde Ihre Arbeit im Netz eigent­lich gut. Und würde mich über Mäßigung freuen.

    1. Auf die diver­sen rheto­ri­schen Fragen gehe ich nicht ein, nur eines: natür­lich kann man unter­schied­li­cher Meinung sein. Gar keine Frage. Für Mäßigung bin ich auch immer zu haben.

    2. Hi Christian Söder,

      am meisten trifft mich dieser Vorwurf:

      „Was David Schraven unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit voll­führt hat, ist für mich nichts anderes als Kampagnenjournalismus im BILD-Stil, wenn auch etwas subti­ler – und damit umso gefähr­li­cher.”

      Sie sagen, ich bin gefähr­lich.

      Gefährlich.

      Wissen Sie über­haupt, was Verrückte gegen „gefähr­li­che” Menschen tun?

      Wissen Sie, was Sie sagen?

      Gefährlicher Journalist nicht Blogger. Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit.

      Denken Sie bitte über Ihre Ausdrücke noch einmal nach.

      Die Meinungsfreiheit ist kein Deckmäntelchen für gefähr­li­che Journalisten.

      Sie ist das wich­tigste Grundrecht in unserer Demokratie. Ein extrem hohes Gut. Für das viele Sozialdemokraten einge­tre­ten und gestor­ben sind.

      Denken Sie drüber nach, was Sie sagen.

      Es kommt darauf an, dem anderen die Möglichkeit zu geben, zu reden. Auch wen das für mich schmerz­haft ist.

      So respek­tiere ich ihre Worte, aber miss­bil­lige ihre Ausdrücke.

      mit den besten Grüßen,

      der gefähr­li­che Blogger-Journalist und Mensch

      David Schraven

  13. Ihr macht Wahlkampf für die CDU.
    Ihr beweißt doch immer wieder das ihr absolut keine Ahnung von der Materie habt, nachdem ihr sämt­li­che Internetuser unter Generallverdacht gestellt haben, reagiert ihr erregt wenn es euch mal betrifft?
    Zumal es nicht mal mehr war, als eine Feststellung. Eine Feststellung, das muss man sich auf der Zunge zerge­hen lassen.
    Was die CDU daraus macht ist nicht die Sache des Bloggers, sondern euren Koalitionspartner geschul­det

    Sie ist eine Volksvertreterin, sie ist verpflich­tet Rechenschaft für ihren Dienst zu leisten. Ich vergaß ist ja ein Fremdwort Dienst am Volk.
    Bellen getrof­fene Hunde viel­leicht doch? Oder warum wird eine Unterlassungsklage einge­for­dert?

  14. Hmmm — bei einem kriti­schen Bericht über eure Hannelore wird hier plötz­lich ein Wehklagen und geze­tere ange­stimmt.

    Als es um die gerin­gen Anwesenheiten von Ursula Koch-Mehrin im selben Blog ging, da hattet ihr zur Meinung undArbeit vom Herrn Schraven eine posi­ti­vere Meinung.

    Messt ihr da nicht mit zwei­er­lei Mass?

    MfG
    Gunnar

    P.S.: ich wähle übri­gens weder euch noch Ursula noch SKM. Ich wähle wie seit Jahren die sozial Partei — auch wenn die nun einen anderen Namen trägt :-P

  15. Schön, dass es noch SPD-Mitglieder gibt, die in den Schablonen denken wie damals bei Kaiser Wilhelm.
    ICH HABE 25 JAHRE SEPD GEWÄHLT.
    Ich habe Schröder, der Putin einen lupen­rei­nen Demokraten nennt, zweimal zur Kanzlerschaft verhol­fen.

    Und dann kam die Kraft. Hetzt mit deut­schen Steuergeldern ihre Anwälte auf einen Blogger.
    Niemals mehr wird von mir und aus meinem Bekanntenkreis die SPD auch nur eine Stimme bekom­men. Frau Kraft hat klar gemacht, dass die SPD keinen Unterschied mehr macht zu den Faulen Dummen Pissen und den Coolen Dummen Usurpatoren.

    Ich werde mich freuen, wenn die Grünen demnächst die zweit­stärkste Partei in Deutschland werden.

  16. Ich vergaß:

    Das Internet ist für die SPD genauso böse wie für die oberste deut­sche Lügnerin Leyen.

    Und wer mit Anwälten auf Blogger losgeht, der ist genauso krimi­nell wie ein Schäuble. Das macht keinen Unterschied.

  17. „Den Namen der poli­ti­schen Mitbewerberin zu verfrem­den („Krafilanti“) und somit den poli­ti­schen Wettbewerb derart zu vergif­ten, ist absolut schäd­lich für die Demokratie.”

    @Christian Söder
    So, so. Die Namensschöpfung „Kraftilanti” vergif­tet den poli­ti­schen Wettbewerb. Hoffentlicht gibt es für Ihre Behauptung nicht eine Abmahnung von Frau Ypsilanti.
    Beschädigt wurde die Parteikollegin Ypsilanti übri­gens nicht vom poli­ti­schen Gegner, sondern vom ehema­li­gen SPD-Superminister Clement.

  18. Und wieder 10.000 Stimmen weniger für die SPD.

    Alleine schon die kindi­sche Falscheinschätzung Wahlkampf für die CDU zu machen — unter­halb von BILD und Spiegel. Ekelhaft. Und so geht es weiter im ganzen Text.

    Ich bin dafür diesen Artikel unbe­dingt WWW-weit bekannt zu machen. Dann klappts auch mit dem Projekt-18, liebe SPD.

    #k.

  19. Mich würde inter­es­sie­ren, wie sich ein Journalist Ihrer Meinung nach richtig verhal­ten hätte, wenn bei seinen Recherchen den ange­pass­ten Lebenslauf der Frau Kraft bemerkt?

    Für die SPD und Frau Kraft wäre es sicher das güns­tigste er würde es igno­rie­ren. Nun hat aber dieser Umstand ja doch einen gewis­sen Nachrichtenwert, es geht ja immer­hin um eine Person des öffent­li­chen Lebens, die in Ihrem Lebenslauf eine Anpassung durch­führt die irgend­wie „komisch riecht“. Hier der Auszug aus eben diesem Lebenslauf:

    —>schnipp—

    1986 — 1987
    Auslandsstudium am King’s College, London; Praktikum bei der Banque Populaire Tours, Frankreich; Praktikum bei der PROGNOS AG, Basel, Schweiz

    1989 — 2001
    Unternehmensberaterin und Projektleiterin

    seit dem 2. Juni 2000
    Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen

    —–

    1989 — 2001, also für einen Zeitraum von 12 Jahren möchte Frau Kraft nicht mittei­len für wen Sie gear­bei­tet hat. Für den Zeitraum 1986 — 1987 zählt sie aber ein Auslandsstudium und die Namen und den Sitz zweier Firmen auf, bei denen Sie Praktika absol­viert hat. Nun weiss aber der ordent­li­che Journalist dass Frau Kraft in dieser Zeit für die Zenit GmbH tätig war und dass es da mal einen Förderskandal um diese Firma gab. Was tut der gute Journalist? Er ruft im Büro der Frau Kraft an und fragt mal unver­bind­lich nach. Dort wird ihm dann erklärt dass der Text auf der Homepage mit der Zeit einfach zu lang gewor­den ist, deshalb wurde Firmenname wegge­las­sen.

    „Achso“, wird sich der gute Journalist dann denken „Das ich da nicht selber drauf gekom­men bin“. Dann fährt der gute Journalist seinen Computer herun­ter und spielt lieber Rommé mit seiner Frau.

    Das ist jetzt eine ernst gemeinte Frage. Wie würde ein guter Journalist mit einem pikan­tem Detail, wie der Änderung des Lebenslaufes von Kraft umgehen?

  20. Ich finde es auch uner­hört, in Wahlkampf-Zeiten nega­tive Sachen über SPD-Politiker zu schrei­ben. Als Juso-Mitglied befor­worte ich die Internetsperren auch gegen solche Hetzer und Republikfeinde, die nichts anderes zu tun haben, als unsere Politiker zu kriti­sie­ren.

  21. Uah — einer schreibt und alle glauben und mutma­ßen. Und verhauen den, der für etwas einsteht.

    Dank an Christian, der mehr versteht.

  22. Sie vertre­ten offen­bar ein sehr dicho­to­mi­sier­tes Weltbild, in dem alles und jeder, der nicht SPD wählt, CDU- Supporter ist. Da gibt es zum Glück ja noch mehr Parteien. In der Sache stellt sich mir zunächst doch eher die Frage, warum niemand sauer auf Frau Kraft ist. Nicht die Ruhrbarone haben doch aus der Sache einen Elefanten gemacht, sondern Krafts Beratertum. Fragen zu stellen ist in Deutschland nicht verbo­ten. Und das wird auch so bleiben. Das an diesem wich­ti­gen demo­kra­ti­schen Grundsatz gerade auf einem „roten” Blog gerüt­telt wird, befrem­det mich doch sehr.

  23. Was beschwert ihr euch? Es wurde vom David Schraven nur das getan, was euer Vorsitzender gefor­dert hat: „mehr poli­ti­sches Engagement”.

    Tja, damit hat die SPD einen guten Teil der Blogsphäre gegen sich aufge­bracht.
    Und diese besteht mehr­heit­lich nicht aus CDU-Wählern.

    Auch wenn er es schon wisst, ich sage es euch nochmal:

    Dass die Umfragewerte für die SPD so lausig sind, hängt einzig und allein mit der Politik der SPD der letzten 11 Jahre zusam­men.

    Wenn sich da nichts ändert, ich meine wirk­lich grund­le­gend ändert, wird die SPD nie wieder über 25 % kommen, geschweige denn einen Kanzler stellen.
    Da kann eure Führungsriege noch so jammern und schimp­fen, schuld sind allein sie selbst.

  24. Die Politik der letzten 11 Jahre war gut und richtig. Fehler wurden mitun­ter gemacht, das bestrei­tet auch niemand. Ich bin jedoch nicht für Grundsatzkritik an der Regierung Schröder zu haben;ich bin viel­mehr der festen Überzeugung, dass unser Land dank Rot-Grün voran gekom­men ist, und das in allen Bereichen.

  25. Ja, dem Schröder werde ich auf ewig dankbar sein, dass er die deut­schen Jungs nicht in den Irak geschickt hat. Das ist meiner Meinung nach eine der größten poli­ti­schen Leistungen der letzten Jahre gewesen. Aber die Haltung der SPD in Fragen der Informationsgesellschaft, in der wir ja nun mal Leben, ist eine abso­lute Katastrophe. Und auch die Kommunikation zeigt doch nur allzu über­deut­lich dass die Politiker — auch und beson­ders der CDU — den Bürger über­haupt nicht ernst­neh­men. Der Fall Kraft ist da wieder mal ein passen­des Beispiel. Aus Platzgründen wurde der Firmenname gestri­chen. Atze sagt dazu über­li­cher­weise: „Ja, Nee…is klar”

    1. Ja, dem Schröder werde ich auf ewig dankbar sein, dass er die deut­schen Jungs nicht in den Irak geschickt hat. Das ist meiner Meinung nach eine der größten poli­ti­schen Leistungen der letzten Jahre gewesen.

      Darf ich Dir ein Geheimnis verra­ten? Die Bundeswehr hätte sowieso kein Personal und Material für einen Wüstenkrieg gehabt. Als es mit dem Irak-Krieg (den ich im übrigen auch für völker­rechts­wid­rig halte) losging, haben wir Deutschland ja schon am Hindukusch vertei­digt (welches Parteibuch hatte der Minister, der das gesagt hat, nochmal?) und am Horn von Afrika, wir haben im ehema­li­gen Jugoslawien für Ruhe gesorgt und diverse andere Kleineinsätze gehabt. Wir hätten gar nicht die Möglichkeiten gehabt.

      Von den rund 7000 Männern und Frauen, die momen­tan im Auslandseinsatz sind, sind 13% FWDL und Reservisten, wir kommen bereits jetzt nicht mehr nur mit „regu­lä­ren” Soldaten aus. Ein grös­se­res Kontingent wäre gar nicht machbar gewesen.

      Oder geht es Dir darum, dass wir gar nicht mitge­macht haben? Dann kommen Dir aller­dings die 2 BND-Leute in Bagdad in die Quere, die Tatsache, dass Deutschland Aufmarsch- und Rückzugsgebiet der kämp­fen­den Amerikaner im Irak war und ist, die ABC-Spürpanzer in Kuwait, der Schutz von US-Militäreinrichtungen durch deut­sche Wehrpflichtige …

      Schröder hat meiner Meinung nach einer­seits klar die Stimmung im Volk erkannt und genutzt und war sich ande­rer­seits sicher, dass eine Nichtteilnahme bei den Teilnehmern nicht zu schlecht ankommt (man hatte ja genug in der Hinterhand). Das ist meines Erachtens keine grosse poli­ti­sche Leistung. Da schon eher die der Österreicher, bewaff­ne­ten Flugzeugen ein Überflugverbot zu ertei­len.

  26. @Christian Soeder
    Kannst Du eigent­lich auch noch mehr als mit „Selber doof” zu antwor­ten? Erst kriti­sierst Du Herrn Schraven und bist Dir auch nicht zu Schade, dabei persön­lich zu werden. Dann gibt er sich die Mühe, Dir eine ausführ­li­che Antwort zu geben, und stellt darin ein paar berech­tigte Fragen. Dir fällt nichts besse­res ein, als die als rheto­ri­sche Fragen abzutun?
    Und dabei bist Du Dir eben­falls nicht die zu Schade, die ganze Zeit mit erho­be­nem Zeigefinger hier zu schrei­ben und ständig die Moralkeule raus­zu­ho­len. Es ist natür­lich raffi­niert, mit Waffen zu kämpfen, die einem selbst nichts anhaben können.

  27. Ein Politiker beschö­nigt die eigene Biographie, ein gewis­ser Fakt wird einfach wegge­las­sen. Da muss man sich schon fragen, ob Frau „Power” nicht auch in anderen Situationen mal ein biss­chen retu­schiert, um beim Volk besser anzu­kom­men.

Kommentare sind geschlossen.