Meckern ja, aber austreten nicht.

Ich kann den Ärger und auch den Frust gerade bei uns jünge­ren Genossen sehr gut nach­voll­zie­hen. Zu unbe­frie­di­gend ist der Kompromiss der heute Abend wohl im Bundestag beschlos­sen wird. Man kann auch gerne kräftig auf den Tisch hauen und brüllen. Auch kann ich den Entschluss des (realen) SPD-Onlinebeirates gut nach­voll­zie­hen. Dieser hat als Konsequenz ange­kün­digt für diese Tätigkeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Richtig so!

Eins darf man aber nicht verges­sen:

… mit 18 trittst du in die SPD ein und dann stirbt man, zwischen­durch kann man mal meckern und mal um Mehrheiten kämpfen, aber austre­ten tut man nicht.

Die junge Generation in der SPD steht nun in der Verantwortung bei netz­po­li­ti­schen Themen um Mehrheiten zu kämpfen und diese zu sichern. Da wird offen­sicht­lich viel Aufklärungsarbeit nötig sein, aber man darf die Flinte und vor allem das sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Parteibuch nicht einfach so ins Korn werfen. Das passt nicht nur Sozialdemokratie!

17 Gedanken zu „Meckern ja, aber austreten nicht.“

  1. Ganz genau.

    In einer Demokratie kann man nicht immer in der Mehrheit sein und muss leider auch solche beklopp­ten Niederlagen akzep­tie­ren. Dann heißt es aber: Jetzt erst recht! Arsch hoch! Sich abzu­wen­den bringt nichts und verän­dert auch auf Dauer nichts.

  2. „… mit 18 trittst du in die SPD ein und dann stirbt man”

    ich glaube genau diese Einstellung trägt viel zu dem Problem bei, vor dem wir gerade stehen.

    Ein jeder kämpfe für sein Gewissen und die rich­tige Handlung, und nicht für drei Buchstaben.

  3. Ich bin im April 2008 in die SPD einge­tre­ten. Seit einigen Monaten enga­giere ich mich außer­dem im Ortsverein und bei den Jusos. Auch wenn ich die aktu­elle Situation der SPD zum Thema Netzpolitik grausam finde, ist dies keine Sache, die mich zu Austritt bewegen würde. Da müssten ganz andere Dinge passie­ren.

    Ich bin in die SPD einge­tre­ten um meine Vorstellungen, Ideen und Wünsche einzu­brin­gen — dass das dauert, habe ich schmerz­lich fest­ge­stellt. Aber aufge­ben werde ich nicht. Jedem den Rücken zu kehren, der mir gerade nicht in den Kram passt, finde ich unfair und feige. Und: Wenn man sich um die Inhalte nicht strei­tet, wird sich nie etwas ändern.

    Daniel

  4. Eine andere Partei zu wählen, in der man nicht chan­cen­los ist, nicht igno­riert wird, ist alles andere als aufge­ben. Aber wer seine Ideale verrät, nur um seiner Partei treu zu bleiben .…

  5. Weder ein Austritt aufgrund der aktu­el­len Vorgänge noch eine unbe­dingte Niebelungentreue zur SPD („Austreten tut man nicht!”) halte ich für ange­mes­sen.

    Ich bin Sozialdemokrat, durch und durch. Aber ich werde mit Sicherheit nicht um jeden Preis in dieser momen­tan orien­tie­rungs­lo­sen Partei bleiben. Einen Austritt, der sich nur auf dem Zustimmung der Fraktion zur Netzsperre begrün­det, halte ich jedoch für über­stürzt.

    Niebelungentreue ist out, und das sollte von der neuen Generation auch nicht erwar­tet werden ;). Das war früher einmal.

  6. Im großen Ganzen richtig, außer der Punkt mit 18 rein nie wieder raus…ich bin das erste Mal mit Anfang 20 raus und erst mit fast 40 wieder rein. Die 20 Jahre dazwi­schen haben mich gelehrt: Willst du das in deinem Sinne entschie­den wird, werde Entscheider…wegducken hilft nichts, handeln ändert etwas. Das dabei nicht alles immer glatt läuft, gehört dazu und jeder muss dann für sich entschei­den ob er dran wachsen oder flüch­ten will. Hab ich jetzt das Phrasenschwein erstei­gert? ;o}

  7. Das sehe ich anders. Man muss nicht wegen jedem Kram an Austritt denken, aber wenn es um Gewaltenteilung und Grundgesetz geht, ist es beinahe mora­li­sche Verpflichtung, auszu­tre­ten, wenn diesen Werten weniger Beachtung geschenkt wird, als den Schlagzeilen der Springer Presse.

  8. Natürlich muss jeder Demokrat nun aus der SPD austre­ten. Mein Austrittsbrief ist bereits geschrie­ben und ich warte den Tag noch ab, ob ich diesen abschi­cke.

    Immerhin geht es um unsere Freiheit und unseren Rechtsstaat. Es wurden über ein halbes Jahr hinweg alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dieses Gesetz in der SPD zu stoppen. Es hat einfach schlicht­weg nieman­den inter­es­siert.

    Dieses jämmer­li­che Festklammern an eine Organisation ist unend­lich albern. Wenn ihr meint, ihr könntet etwas daran aus der SPD heraus ändern, dann irrt ihr euch. Nur Schmerz (also Wahlniederlagen und Austritte noch und nöcher) kann die SPD viel­leicht kurie­ren. Mit Durchhalteparolen zum jetzi­gen Zeitpunkt schwächt ihr die Sache und riskiert unsere Demokratie.

  9. „… mit 18 trittst du in die SPD ein und dann stirbt man, …” Wenn ich mit 18 in die SPD einge­tre­ten wäre, wäre ich auch gestor­ben. ;-)

    Im Ernst: 1982 sind viele Mitglieder aus der FDP ausge­tre­ten, weil sie sich in zentra­len Punkten nicht mehr mit der Partei in Übereinstimmung befan­den. Das ist verständ­lich gewesen. Ebenso haben sich mit Sicherheit mit den Bundeswehreinsätzen im Kosovo einige Grüne von ihrer Partei abge­wen­det.

    Genauso ist es verständ­lich, wenn sich jetzt dieje­ni­gen von der SPD abwen­den, die weiter­hin gegen eine obrig­keits­staat­li­che Nachtwächterstaatsform strei­ten, für die rechts­staat­li­che Prinzipien weiter­hin Grundlage ihrer Gesellschaftssicht sind.

    Kurz: Man wird sich nie mit allen Positionen seiner Partei in voller Übereinstimmung befin­den können. Wenn man es in wesent­li­chen Punkten nicht mehr tut und die Mitstreiter der eigenen Sicht auf dem entspre­chen­den Parteitag per Geschäftsordnung mundtot gemacht werden, dann wäre auch für mich der Zeitpunkt gekom­men, dahin zu gehen, wo ich will­kom­men bin.

  10. Austreten bringt in diesem Fall über­haupt nichts, außer man wendet sich von der Politik gene­rell ab. Denn genauso funk­tio­niert Politik halt nun mal: Irgendein Thema wird besetzt, und mit einer Konnotation verse­hen, gegen die man unmög­lich anstin­ken kann. In dem Moment, als von der Leyen/Schäuble auf „Kinderpornografie” verfie­len, war die Sache geges­sen — oder traut sich jemand im Ernst gegen ein Gesetz „gegen Kinderpornografie” aufzu­tre­ten, und damit — zumin­dest in der schlich­ten Politik-Rhetorik — gleich­sam „für” Kinderpornografie zu sein? Na eben.

    Die CDU hat Euch über den Tisch gezogen; dieses Mal — better luck next time.

    Wenn die SPD smart ist (woran ich leider zuneh­mend zweifle), dann lernt sie aus der Geschichte, sucht sich nach selbem Muster „ihre” Themen, und dreht den Spieß um. Derartige Themen sollten sich leicht finden lassen; zwar nicht im jüngs­ten Wahlprogramm, aber mit ein biss­chen guten Willen…

  11. Ich war bisher nie poli­tisch, bin auch in keiner Partei. Ich habe bisher immer SPD gewählt. Seit der Europawahl jedoch nicht mehr. Ich hätte mir gewünscht, dass Dinge wie das CCS-Gesetz und die Internetzensur nicht einfach so — von der SPD unter­stützt — gegen den massi­ven Widerstand der Bürger durch­ge­wun­ken werden soll. Und dann auch noch in so einer Eile.

    Ein Schelm der böses dabei denkt, schon klar.

    Bisher habe ich immer taktisch gewählt. SPD ist immer noch besser als CDU, dachte ich mir. Von heute ab wähl ich die Partei, die meine Interessen vertritt, egal ob sie Chancen hat in die Regierung zu kommen.

  12. Ich würde es nicht als „Flinte ins Korn werfen” bezeich­nen, wenn man eine Partei verlässt, deren Fraktion prak­tisch geschlos­sen für etwas stimmt, was den eigenen Überzeugungen zutiefst zuwider ist. Ich halte das für ein gesun­des Maß an Realismus.
    Es gibt so viele Möglichkeiten sich poli­tisch zu enga­gie­ren, in anderen Parteien, in Bürgerinitiativen oder im priva­ten Umfeld. Der Versuch eine Partei, die sich seit der Vorratsdatenspeicherung keinen Millimeter bewegt hat, von innen — gegen den Willen fast aller Abgeordneter — zu verän­dern ist dagegen Zeit- und Kraftverschwendung. Die SPD von innen zu verän­dern wird 20 Jahre dauern und massi­ven Streit und massi­ven Mitteleinsatz erfor­dern, vor allem wenn es konkret darum geht, unbe­lehr­bare Abgeordnete durch Spenden und Wahlkampf für aufzu­bau­ende Herausforderer zu erset­zen. „Die SPD” wird schnel­ler umschwen­ken, wenn ihr die Leute davon und zu den Grünen, Gelben und den Piraten laufen und wenn sich das im Wahlergebnis bemerk­bar macht.

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