Kurz notiert: Lafontaine und Linkspartei

Als Ergänzung zum anderen Eintrag, der den Dietmar Bartsch’schen Geistesblitz thema­ti­sierte, nun noch der Verweis auf einen aktu­el­len Artikel in der ZEIT, dem ich mich anschlie­ßen möchte:

Politik wird auf pein­li­che Weise dekon­stru­iert. Wegschauen, weghö­ren möchte man. Was aber die Lafontainesche Variante angeht, muss man hinzu­fü­gen: Sie unter­schei­det sich mitt­ler­weile nicht mehr von Verschwörungsformeln und Feindbildern, die ebenso gut von rechts­au­ßen kommen könnten. Von welcher Seite aus Ressentiments gegen die »etablierte Politik« geschürt werden, ist aber herz­lich egal. Lafontaine bewegt sich ins vorde­mo­kra­ti­sche Abseits – Sprache drückt Denken aus. Höchste Zeit wurde es, die Notbremse zu ziehen. Und sei es aus Gründen der Selbstachtung.

Es ist wahr: so lange Oskar Lafantaine in der soge­nann­ten Linkspartei etwas zu sagen hat, so lange kann es keine Koalition mit der SPD geben. Das weiß Lafontaine, und das wissen die führen­den Köpfe der Linkspartei. Mit dem Saar-Napoleon gewinnt die Linkspartei keinen Blumentopf, im Gegenteil.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

9 Gedanken zu „Kurz notiert: Lafontaine und Linkspartei“

  1. >Mit dem Saar-Napoleon gewinnt die Linkspartei keinen Blumentopf, im Gegenteil.

    Man kann zu Lafontaine stehen wie man will, aber es ist traurig mitan­zu­se­hen, wie auch die nächste Generation Sozialdemokraten bereits vom „was bringt uns Stimmen, was nicht?”-Virus befal­len ist. Der gest­rige Parteitag war in dieser Hinsicht für mich ein echter Augenöffner, insbe­son­dere was die lässige Beliebigkeit der SPD-Linken angeht. „Wenn’s nicht anders geht, ja dann muß man halt…” — Genau, das nenne ich zu seinen Überzeugungen stehen. Wahrlich eine Bravourleistung für einen Personenkreis, von dem man erwar­ten hätte können, dass er sich noch nicht in den Denkschemata des Establishments und den Strategemen einer Bürokratenpartei verfan­gen hat. Aber viel­leicht bin ich ja auch nur naiv, wer weiß.

  2. Ist es wieder soweit, dass wir von der „soge­nann­ten Linkspartei” spre­chen müssen?
    Das ist doch pein­lich. Da waren wir mal weiter.
    Kommt über Lafontaine hinweg. Den ZEIT-Artikel halte ich nicht für ein jour­na­lis­ti­sches Meisterstück. Mir geht der Hass der Presse auf Lafontaine gehörig auf die Nerven, und ich bin keines­wegs ein Fan dieses Mannes.

    1. >Nur Anti ist halt zu wenig.

      Nicht für eine Oppositionspartei. Die kann mit vollem Recht „anti” sein.
      Aber der Vorwurf trifft es ja noch nicht einmal: die Linkspartei ist keines­wegs nur „anti”. Im Gegenteil: woran sie zu zerbre­chen droht, sind ja gerade die unter­schied­li­chen Weltentwürfe, die sie unter ihrem dach beher­bergt. Von den Linken weiß ich ziem­lich genau, was sie so alles wollen, inso­ferne kann man darüber auch disku­tie­ren und alles mögli­che verwer­fen.

      Bei der SPD hinge­gen weiß ich das nicht. Und erst recht nicht nach Steinmeiers Rede; ich weiß wohl, wofür die SPD alles nicht steht, für den „neoli­be­ra­len Kurs” von Schwarz-gelb zum Beispiel, was auch immer das auch genau sein mag, gemes­sen daran, dass die SPD ‑als sie die Macht dazu hatte — alles dafür gegeben hat, diesen Neoliberalismus noch zu befeu­ern.

      Steinmeier hätte also den Opelanern in die Augen geschaut und ihnen NICHT gesagt, dass sie nicht system­re­le­vant wären? Er hätte es ihnen besser sagen sollen! „Ihr seid nicht system­re­le­vant, euer Unternehmen und eure Arbeitsplätze stehen in der Marktwirtschaft jeder­zeit zur Disposition. Und es waren MEINE Reformen, deret­we­gen ihr jetzt so richtig Angst haben müßt. Es waren nicht die Reformen der bösen Neoliberalen von CDU und FDP, sondern die der Herren Schröder und Steinmeier, weswe­gen ihr demnächst schon viel­leicht einen Finanz-Striptease hinle­gen dürft, euer Vermögen und euer Haus verliert, und eure private Existenz womög­lich zerstört wird.” — Ja, ich kann schon verste­hen, warum er ihnen das NICHT gesagt hat.

  3. Es ist wahr: so lange Oskar Lafantaine in der soge­nann­ten Linkspartei etwas zu sagen hat, so lange kann es keine Koalition mit der SPD geben.

    Möge ihm also ein langes Leben beschie­den und er uns lange erhal­ten bleiben!

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