Vota! Wahlbeteiligung von 71,2%

Was macht man nach einer verlo­re­nen Wahl? — Man geht in sich zur Ursachenanalyse und wo könnte man das besser als an der ligu­ri­schen Küste in Italien?

Kaum die Autobahn verlas­sen springt mir schon das erste Wahlplakat ins Auge „Vota Communista!” daneben der kläg­li­cher Rest eines Lega Nord-Plakates und Aufkleber der SINISTRA e LIBERTA.

So sah sie also aus die Europawahlkampagne der italie­ni­schen Parteien. Auffällig ist: Es sind nicht die Laternenmasten, die zur Plakatfläche werden, sondern extra erstellte Wahlwände an denen die Parteien plaka­tie­ren dürfen und daneben staat­li­che Informationen zur Europawahl

Was macht man nach einer verlo­re­nen Wahl? — Man geht in sich zur Ursachenanalyse und wo könnte man das besser als an der ligu­ri­schen Küste in Italien?

Kaum die Autobahn verlas­sen springt mir schon das erste Wahlplakat ins Auge „Vota Communista!” daneben der kläg­li­cher Rest eines Lega Nord-Plakates und Aufkleber der SINISTRA e LIBERTA.

So sah sie also aus die Europawahlkampagne der italie­ni­schen Parteien. Auffällig ist: Es sind nicht die Laternenmasten, die zur Plakatfläche werden, sondern extra erstellte Wahlwände an denen die Parteien plaka­tie­ren dürfen und daneben staat­li­che Informationen zur Europawahl.

Auf diesen Informationsplakaten wird alle erklärt, was man zur Wahl wissen muss und es wird offen­siv zur Wahl „Vota” aufge­ru­fen.
Erstaunlich fand ich jedoch, dass diese staat­li­chen Wahlaufrufplakate nicht nur in großen Städten und an Hauptstraßen zu entde­cken waren, sondern in jeder kleinen Gasse in der noch so kleinen Stadt.

Von der gerin­gen Wahlbeteiligung depri­miert, fragte ich mich, warum so etwas nicht überall getan wird. Warum finden wir nur an Rathäusern irgend­wel­che kryp­ti­schen Öffentlichen Bekanntmachungen, die uns aber auch keine Information zur Europawahl allge­mein geben können und wollen? Wieso nicht auch auf diesem Wege aktiv einen Beitrag zur Demokratiesteigerung beitra­gen?

Nicht immer lerne ich gerne von den Italiener, aber in diesem Falle schon. Über eine Wahlbetreiligung von 71,2% würde sich ja auch sicher­lich jeder freuen, oder?

(Anmerkung: Ich bin mir bewusst, dass Italien tradi­tio­nell eine höhere Wahlbeteiligung aufweist und es nicht wissen­schaft­lich erwie­sen ist wie stimu­lie­rend solche Plakate wirken — Aber warum nicht einfach auspro­bie­ren?)

6 Gedanken zu „Vota! Wahlbeteiligung von 71,2%“

  1. Nur zu, die Wahlbudgets der Parteien (vor allem der beiden großen) sind jawohl groß genug, als dass sie neben den gewohn­ten Plakaten auch solche aufstel­len könnten.

  2. Hm,

    da halte ich wenig davon. Was soll aus einer so Obrigkeits-fixier­ten Haltung sinn­vol­les entste­hen? Wählen, weil man das halt macht?

    In Deutschland wollen die Menschen wissen, warum sie etwas machen. Eine gerin­gen Wahlbeteiligung wäre sogar OK, wenn die Nichtwähler zufrie­den wären. Sind sie aber nicht. Sie haben nur das Gefühl, das es nichts ändert, wenn sie wählen gehen.

    Die Arbeitslosen haben Schröder gewählt und Harz4 bekom­men. Die müssen sich doch verarscht fühlen. Denn Harz4 haben sie bestimmt nicht gewollt.

  3. In Italien gibt es auch eine Wahlpflicht, sollte man dabei nicht verges­sen. Inwieweit die umge­setzt wird bzw. ob sie Auswirkungen hat, weiß ich aller­dings nicht.

    Prinzipiell habe ich auch kein Problem mit einer nied­ri­gen Wahlbeteiligung, auch wenn es natür­lich toller ist, wenn sich möglichst viele Menschen betei­li­gen.

  4. Wenn man sich die gewähl­ten italie­ni­schen Europa-Parlamentsabgeordneten so anschaut, dann habe ich nicht das Gefühl, dass sich ein höhere Wahlbeteiligung (ich habe übri­gens immer nur etwas von 67% gelesen) in einer höheren Qualität der Abgeordneten nieder­schlägt, oder in einem ganz anderen Wahlverhalten.

  5. Ja, es gibt in Italien eine Wahlpflicht, aber die wird anders als in Ländern mit ähnli­cher Pflicht in der Praxis nicht geahn­det.

    Ich persön­lich hatte als Kandidatin oft bemerkt wie erschre­ckend gering das Wissen über Europa ist. Die Gründe sind viel­fäl­tig z.B. in den meisten Fällen keine Vermittlung in der Schule, kaum und nur unzu­rei­chend diffe­ren­zierte mediale Berichterstattung etc.

    Allgemeine Informationen zur Wahl halte ich da nicht für das Schlechteste, z.B. mit Auszügen der Listen der Parteien etc.

    Ich finde eine nied­rige Wahlbeteiligung ist schon ein prin­zi­pi­el­les Problem. Eine demo­kra­ti­sche Regierung, die real gerade mal von circa 20% der wahl­be­rech­tig­ten BürgerInnen gewählt ist, finde ich schon bedenk­lich. Vor allem, wenn es an jedem demo­kra­ti­schen Verständnis mangelt.

    @Markus: Wer dann gewählt wird, entschei­det ja der Bürger und offen­sicht­lich haben die Italiener einen schlech­ten Geschmack was dies betrifft. ;-)

  6. Ich bin der Idee gegen­über etwas skep­tisch.
    Erstens verstehe ich über­haupt nicht, wie ein halb­wegs wacher Mensch in den letzten Wochen durch die Strassen gehen konnte ohne zu merken, dass eine Wahl ansteht. Um die ganzen schil­lern­den Wahlplakate zu über­se­hen muss man doch blind sein.
    Dazu kommt, dass auf vielen Plakaten das Stichwort „Europa” zu lesen war. Man kann Eins und Eins zusam­men zählen.
    Die Parteien sehe ich keines­wegs in der Pflicht, für eine höhere Wahlbeteiligung zu sorgen.

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