Vota! Wahlbeteiligung von 71,2%

12. Juni 2009
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Was macht man nach einer verlorenen Wahl? — Man geht in sich zur Ursachenanalyse und wo könnte man das besser als an der ligurischen Küste in Italien?

Kaum die Autobahn verlassen springt mir schon das erste Wahlplakat ins Auge „Vota Communista!” daneben der kläglicher Rest eines Lega Nord-Plakates und Aufkleber der SINISTRALIBERTA.

So sah sie also aus die Europawahlkampagne der italienischen Parteien. Auffällig ist: Es sind nicht die Laternenmasten, die zur Plakatfläche werden, sondern extra erstellte Wahlwände an denen die Parteien plakatieren dürfen und daneben staatliche Informationen zur Europawahl.

Auf diesen Informationsplakaten wird alle erklärt, was man zur Wahl wissen muss und es wird offensiv zur Wahl „Vota” aufgerufen.
Erstaunlich fand ich jedoch, dass diese staatlichen Wahlaufrufplakate nicht nur in großen Städten und an Hauptstraßen zu entdecken waren, sondern in jeder kleinen Gasse in der noch so kleinen Stadt.

Von der geringen Wahlbeteiligung deprimiert, fragte ich mich, warum so etwas nicht überall getan wird. Warum finden wir nur an Rathäusern irgendwelche kryptischen Öffentlichen Bekanntmachungen, die uns aber auch keine Information zur Europawahl allgemein geben können und wollen? Wieso nicht auch auf diesem Wege aktiv einen Beitrag zur Demokratiesteigerung beitragen?

Nicht immer lerne ich gerne von den Italiener, aber in diesem Falle schon. Über eine Wahlbetreiligung von 71,2% würde sich ja auch sicherlich jeder freuen, oder?

(Anmerkung: Ich bin mir bewusst, dass Italien traditionell eine höhere Wahlbeteiligung aufweist und es nicht wissenschaftlich erwiesen ist wie stimulierend solche Plakate wirken — Aber warum nicht einfach ausprobieren?)


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6 Responses to Vota! Wahlbeteiligung von 71,2%

  1. Jan on 12. Juni 2009 at 20:35

    Nur zu, die Wahlbudgets der Parteien (vor allem der beiden großen) sind jawohl groß genug, als dass sie neben den gewohnten Plakaten auch solche aufstellen könnten.

  2. Benno on 12. Juni 2009 at 21:14

    Hm,

    da halte ich wenig davon. Was soll aus einer so Obrigkeits-fixierten Haltung sinnvolles entstehen? Wählen, weil man das halt macht?

    In Deutschland wollen die Menschen wissen, warum sie etwas machen. Eine geringen Wahlbeteiligung wäre sogar OK, wenn die Nichtwähler zufrieden wären. Sind sie aber nicht. Sie haben nur das Gefühl, das es nichts ändert, wenn sie wählen gehen.

    Die Arbeitslosen haben Schröder gewählt und Harz4 bekommen. Die müssen sich doch verarscht fühlen. Denn Harz4 haben sie bestimmt nicht gewollt.

  3. Christian Soeder on 12. Juni 2009 at 21:23

    In Italien gibt es auch eine Wahlpflicht, sollte man dabei nicht vergessen. Inwieweit die umgesetzt wird bzw. ob sie Auswirkungen hat, weiß ich allerdings nicht.

    Prinzipiell habe ich auch kein Problem mit einer niedrigen Wahlbeteiligung, auch wenn es natürlich toller ist, wenn sich möglichst viele Menschen beteiligen.

  4. Markus Ritter on 12. Juni 2009 at 21:49

    Wenn man sich die gewählten italienischen Europa-Parlamentsabgeordneten so anschaut, dann habe ich nicht das Gefühl, dass sich ein höhere Wahlbeteiligung (ich habe übrigens immer nur etwas von 67% gelesen) in einer höheren Qualität der Abgeordneten niederschlägt, oder in einem ganz anderen Wahlverhalten.

  5. Luisa Boos on 12. Juni 2009 at 22:58

    Ja, es gibt in Italien eine Wahlpflicht, aber die wird anders als in Ländern mit ähnlicher Pflicht in der Praxis nicht geahndet.

    Ich persönlich hatte als Kandidatin oft bemerkt wie erschreckend gering das Wissen über Europa ist. Die Gründe sind vielfältig z.B. in den meisten Fällen keine Vermittlung in der Schule, kaum und nur unzureichend differenzierte mediale Berichterstattung etc.

    Allgemeine Informationen zur Wahl halte ich da nicht für das Schlechteste, z.B. mit Auszügen der Listen der Parteien etc.

    Ich finde eine niedrige Wahlbeteiligung ist schon ein prinzipielles Problem. Eine demokratische Regierung, die real gerade mal von circa 20% der wahlberechtigten BürgerInnen gewählt ist, finde ich schon bedenklich. Vor allem, wenn es an jedem demokratischen Verständnis mangelt.

    @Markus: Wer dann gewählt wird, entscheidet ja der Bürger und offensichtlich haben die Italiener einen schlechten Geschmack was dies betrifft. ;-)

  6. Kalle on 13. Juni 2009 at 09:57

    Ich bin der Idee gegenüber etwas skeptisch.
    Erstens verstehe ich überhaupt nicht, wie ein halbwegs wacher Mensch in den letzten Wochen durch die Strassen gehen konnte ohne zu merken, dass eine Wahl ansteht. Um die ganzen schillernden Wahlplakate zu übersehen muss man doch blind sein.
    Dazu kommt, dass auf vielen Plakaten das Stichwort „Europa” zu lesen war. Man kann Eins und Eins zusammen zählen.
    Die Parteien sehe ich keineswegs in der Pflicht, für eine höhere Wahlbeteiligung zu sorgen.

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