Finanzhaie würden FDP wählen”: Gedanken zum Europawahlkampf

12. Juni 2009
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Ich persönlich fand die Plakate und die Kampagne super. Die SPD-Mitglieder, mit denen ich gesprochen habe, fanden die Finanzhaie und die Dumpinglöhne ebenfalls genial. Das Blöde an der Sache: quasi alle Nicht-SPD-Mitglieder, mit denen ich gesprochen habe, fanden die Kampagne schlecht bis peinlich. Leider beschränkte sich das nicht nur auf SPD-Gegner, sondern SPD-Wähler und SPD-Anhänger waren ebenfalls dieser Ansicht. Manche meinten, sie hätten gar nicht kapiert, dass die Plakate für die SPD werben sollten. Schlimmer geht’s nimmer.

Alles in allem muss man jetzt, nachdem der erste Schock über das Ergebnis einigermaßen verdaut ist, leider festhalten, dass der Europawahlkampf eher mau war: Plakate, die nicht von der Zielgruppe verstanden wurden; fehlende Großkundgebungen; die falsche Themenwahl (Mindestlöhne sind wohl doch eher ein nationales Thema).

Die Bundestagswahl kann nur besser werden.


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6 Responses to Finanzhaie würden FDP wählen”: Gedanken zum Europawahlkampf

  1. Jan on 13. Juni 2009 at 01:48

    Es gab auch viele andere SPD-Plakate, sofern also die Haie, Föhne und Münzen nicht zum Wähler durchgedrungen sein sollten, dürfte dass an sich kein Grund für das Wahlergebnis gewesen sein.

    Mag sein, dass die Themen die falschen waren — auch wenns meines Wissens noch nie und bei keiner Partei so richtig eine Rolle gespielt hat, ob nun was Bundes– oder Europathema gewesen ist. Die CDU hat ja — gemessen an den Erwartungen — irgendwie doch erstaunlich gut abgeschnitten, hat aber genauso mit Bundesthemen geworben und mit der Bundeskanzlerin.

    Nein, ich gehe davon aus, dass die Ursachen ganz andere sind als die von dir genannten. Stimme dir allerdings zu, dass der Bundestagswahlkampf sicher besser laufen wird. Ob es dann (den Willen, die Größte Koalition aller Zeiten endlich zu beenden vorausgesetzt) für Rot-Grün oder Rot-Gelb, was jawohl die beiden einzigen Optionen für die SPD wären, reichen wird, hielte ich trotzdem für eine sehr optimitische Prognose…

  2. Stephan Dörner on 13. Juni 2009 at 02:50

    Negative Campaigning hat in Deutschland noch nie funktioniert, da sind die SPD-Plakate keine Ausnahme.

    Was ich positiv fand war allerdings, dass tatsächlich europapolitische Themen thematisiert wurden (Dumpinglöhne, Finanzmarktregulierung).

    Wahlkampftaktisch vielleicht etwas unklug: Der ärgste Konkurrent, die Grünen, wurde von der Kampagne verschont. Aber wahrscheinlich sollte die Kampagne ohnehin eher der Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft dienen.

  3. markusnagler on 13. Juni 2009 at 08:41

    @Stefan Dörner
    Negative Campaigning funktioniert überall hervorragend, aber nur dann, wenn die Gesamtbotschaft positiv ist. Das war diesmal nicht der Fall. Auch die Fön und Finanzhai-Plakate hatten den positiven Gegenentwurf der SPD mehr als Nachsatz den als Hauptbotschaft.
    Was die Grünen angeht: es gibt jede Menge Rot-Grüne Wechselwähler, die einigermaßen empfindlich auf platte Angriffe auf ihre Zweitpräferenz reagieren. Deshalb ist es für beide Parteien klüger, den rot-grünen Wettstreit ohne Polemik zu führen. Auf die FDP kann man dagegen draufhauen: es gibt kaum Wechselwähler und gegen deren Marktradikalismus zu sein gehört zu den Dingen, die SPD-Wähler eint.
    Denn, drittens, alle Kampagnen dienen nur der Mobilisierung der eigenen Wähler. Gottseidank ist es eher selten möglich, Menschen in wenigen Wochen mit ein paar verkürzten Slogans von ihrer lebenslangen politischen Überzeugung abzubringen. Eigene Anhänger muss man nur zur Urne bringen, alle anderen muss man vorher noch überzeugen (was ohnehin nur bei Wechselwählern geht und auch dort ein eher langfristiges Projekt ist). Schon die Notwendigkeit, die eigenen Kräfte sparsam einzusetzen, gebietet es also, die Kampagne an der Mobilisierung der eigenen Anhänger auszurichten.

  4. Kalle on 13. Juni 2009 at 10:03

    Stimme zu. Ich fand die Kampagne auch sehr gut weil sie etwas Neues war und sehr professionell aufgezogen wurde.
    Ich habe auch mit Anhänger und Nicht-Anhänger gesprochen. Die Resonanz war gemischt. Viel Lob, viel Tadel. Die Hauptaussage war vorallem: Die Kampagne war nicht schlecht, weil die SPD Negative Campaigning eingesetzt hat. Sondern: Die Kampagne war peinlich weil die SPD die einzige Partei war, die davon Gebrauch gemacht hat.
    Die Kampgane der Grünen blieb zwar ziemlich unbemerkt, hat mir aber gefallen. Zugegeben, „WUMS”, das ist etwas platt, aber ansonsten waren da ganz nette Einfälle dabei.
    Über den Rest müssen wir nicht reden. Einzig das „Rot wählen!” auf blauem Hintergrund, das die Linkspartei plakatiert hat hat mich zum schmunzeln gebracht.

  5. Nadim Ayyad on 13. Juni 2009 at 11:49

    Persönlich fand ich die Kampagne auch ganz gut. Aber leider wurde das in der Bevölkerung nicht geteilt. Ich habe fast ausnahmslos negative Resonanz gehört. Man muss wohl festhalten, dass sie uns eher geschadet als geholfen hat. Viele Stimmen haben ich gehört, die ihre Kritik beendeten mit: „So seid ihr unwählbar! Keine Inhalte, nur Kritik”.

    Dass die SPD wohl die einzige Partei mit Inhalten war, kam leider nicht an. Der Rest — das hat Kalle ja schon gesagt — war aber leider auch nicht wirklich erwähnenswert.

  6. Sebastian Broch on 13. Juni 2009 at 13:33

    Erfolgreich waren die Plakate in dem Sinne, dass sie Gesprächsstoff geboten haben. Das hat bei männlichen Wählern sonst nur die FDP geschafft. Der Nachteil ist: Es waren dann Kommentare zu hören wie „Die SPD hackt nur auf den anderen und hat keine Inhalte”, wie schon Nadim geschrieben hat. Gerade, dass die SPD mit DIESEN Plakaten aufgefallen ist, war auch die größte Schwäche. Denn wären die inhaltlicheren Plakate in dem Sinne aufgefallen, hätten einige den Bogen zu den anderen Parteien gezogen und deren fehlenden Inhalt bemängelt. So haben die Plakate aber tatsächlich Wähler abgeschreckt, einige aus meinem Freundeskreis die zwischen der SPD und der CDU geschwankt haben, haben sich dann doch für die Schwarzen entschieden, mit oben genannter Begründung.

    Dem hätte entgegengewirkt werden können, wenn der zweite Teil der Kampagne besser durchgeschlagen wäre. Ziel war es mit den Negativplakaten für Gesprächsstoff zu sorgen und mit dem zweiten Teil, den inhaltlichen Plakaten, klare Antworten zu bieten. Die inhaltlichen Plakate waren aber zu blass und die Schrift kaum lesbar, sodass sie untergegangen sind.
    Dadurch sind nur die Plakate mit der negativen Aussage in Erinnerung geblieben.
    Auch wenn die Plakate der anderen Parteien langweilig und inhaltlos waren, haben sie keinem vor den Kopf gestoßen. Dadurch dass die FDP und die CDU nicht (durch Inhalte) aufgefallen sind, hatten sie den Erfolg, denn mit ihrem Programm hätten sie in der aktuellen Krise eher einige abgeschreckt bzw. Nichtwähler motiviert doch uns zu wählen. Vielleicht wären bei einer offensiven Plakatierung des Slogans „Privat vor Staat” durch die FDP die Wahlbeteiligung etwas höher gewesen, mit dem Ergebnis dass wir einige Stimmen mehr gehabt hätten.
    An der Gesamttendenz hätte das natürlich nichts geändert, mit Plakaten ist natürlich nicht das Wahlergebnis erklärbar. Aber das Ziel gerade Wechselwähler zu motivieren die SPD zu wählen und das eigene Klientel wachzurütteln, ist gescheitert.
    Auch bin ich Anfangs davon ausgegangen, dass der Angriff auf die CDU, FDP und die Linke Rückschlüsse auf unser Programm zulässt (Für Mindestlöhne, keine heiße Luft, gegen Marktradikalismus), aber das hat nicht funktioniert.

    Ergo: Die Kampagne ist gescheitert bzw. hat nur einige Genossen amüsiert.

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