Nichtwähler sind seltsam

57% der Wahlberechtigten Deutschland sind gestern lieber zuhause geblie­ben oder haben sich ein schönes Wochenende gemacht. Das bedeu­tet nicht, dass die Wahl unde­mo­kra­tisch war oder dass die 99 Abgeordneten, die Deutschland entsen­det, ohne Legitimation wären; es bedeu­tet einfach nur, dass 57% Wählerinnen und Wähler auf ein grund­le­gen­des Recht verzich­tet haben.

Ich kann das nicht nach­voll­zie­hen. Mit 31 Parteien war bei dieser Wahl die Auswahl so groß wie nie, am mangel­haf­ten Angebot kann es also nicht gelegen haben. Ungültig wählen, nicht wählen und sich zu enthal­ten bringt absolut nichts — man wirft seine Stimme weg, das war’s. Mir fehlt dafür das Verständnis.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

9 Gedanken zu „Nichtwähler sind seltsam“

  1. Warum 57% der Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen weg werfen versteht ihr nicht?

    Weil sie sich von Europa bevor­mun­det, über­gan­gen und igno­riert fühlen. Weil sogar die deut­schen Politiker aller Parteien sie im Wahlkampf nicht über Europa infor­miert, begeis­tert und gefes­selt haben, sondern ihnen mit bundes­deut­schen Themen (wenn über­haupt) oder Köpfen eine ganz andere Wahl vorge­gau­kelt haben.

    Nicht das Verhalten der Wähler ruft bei mir Unverständnis hervor. Sondern viel­mehr das, was sie dazu gebracht hat.

    1. Hast du dich eigent­lich bspw. mal mit dem Europawahlkampf von Bündnis 90/Die Grünen ausein­an­der­ge­setzt? Europäischer (abge­se­hen davon, dass man sicher noch gene­rell mehr hätte trom­meln können) ging es kaum, auch die Themen waren mit den anderen grünen Parteien abge­stimmt. Ganz zu schwei­gen von Daniel Cohn Bendit, der bewusst abwech­selnd in Deutschland und in Frankreich für das Europaparlament (erfolg­reich) kandi­diert. Aber es waren ja nicht nur die Grünen (wenn meiner beschei­den Meinung nach auch die Konsequentesten), welche bewusst eine Europawahlkampf (statt Testwahl) betrie­ben haben. Man könnte meinen du warst seit länge­rem nicht draußen unter­wegs, hast nicht Fern gesehen und das Internet gemie­den. Sicher wäre es besser gewesen wenn bspw die CDU mit Herrn Pöttering statt Angela Merkel plaka­tiert hätte, wenn die CSU nicht so getan hätte als wäre jede Stimme für eine andere Partei ein Verrat an Bayern, aber für Fehlverhalten der Union pauschal alle anderen verant­wort­lich zu machen ist schon sehr einfach.

      Der nächste Punkt: Egal ob CDU, SPD, Grüne oder FDP. Sie alle haben sich *enorm* für den Lissabonvertrag stark gemacht. Wer behaup­tet, dass diese Parteien den Bürger in bezug auf Europa bevor­mun­den wollen, lügt einfach. Der Lissabonvertrag ist sicher kritik­wür­dig, aber das Beste was wir derzeit kriegen können (siehe ein Zitat von Bejamin Franklin zur ameri­ka­ni­schen Verfassung) und dieser Vertrag gibt den Bürgern bedeu­tend mehr Rechte (und Europa mehr Handlungsspielraum gegen Querschläger), als das derzei­tige histo­risch gewach­sene Vertragsgeflecht.

      Wer nicht reali­siert, dass man als Mensch dieser Gesellschaft ein Mindestmaß an demo­kra­ti­scher Teilnahme einzu­brin­gen hat und sich an solchen Forderungen stört, der möge bitte nach Singapur umzie­hen, wo es sich wirt­schaft­lich treff­lich leben lässt bloß ohne Mitbestimmung (und neben­bei bedeu­tend weniger persön­li­cher Freiheiten)…

  2. Hört, Hört!

    ich versteh es auch nicht.…. seit ich wählen darf, schleppe ich mich bei jedem Wetter, egal ob ich gesund oder krank bin, zur Wahl. Ich ich find es toll, dass ich wählen gehen darf und meine Stimme etwas zählt.….

    Aber, meine erste Frage, wenn sich bei mir jemand über politik aufregt ist immer: „Waren Sie wählen?” Wenn dann ein nein kommt, folgt promt meine Antwort:

    „Wer nicht wählen geht, der darf sich auch hinter­her nicht beschwe­ren. Basta!”

  3. Ich sehe es ähnlich wie Simon Zeimke. Die Politik hat nicht ursprüng­lich die Aufgabe, dem Wähler „den Arsch hinter­her zu tragen”. Und der Wahlkampf hat auch nicht primär den Zweck, die Leute über­haupt zur Wahl zur bewegen sondern dafür zu sorgen, dass sie das Kreuz an der rich­ti­gen Stelle machen.

    Wenn der Wähler glaubt, dass die Demokratie auch ohne seine Stimme funk­tio­niert — bitte sehr. Es ist wie bei vielen Dingen, die sich lange gesetzt und bewährt haben. Sie werden absolut für absolut selbst­ver­ständ­lich und schließ­lich über­flüs­sig gehal­ten.

    Ich habe absoult kein Verständnis dafür, dass der durch­schnitt­li­che Wähler zu faul ist, sich einmal anstän­dig über die Alternativen zu infor­mie­ren wenn er schon der Meinung ist, dass die „großen Fünf” für ihn nicht passend sind. Mein Gott, wir hatten alles auf dem Wahlzettel. Drei verschie­dene Rentnerparteien, eine Partei, die Deutschland deindus­tria­li­sie­ren möchte, eine spiri­tu­elle Partei. Und wer ökolo­gisch, aber nicht links denkt, der hatte auch eine Alternative. Es gab für jeden etwas. Sogar euro­pa­skep­ti­sche Parteien für den Protestwähler.

    Ich bin maßlos enttäuscht vom Wähler.

  4. Keine Frage. Die nied­rige Wahlbeteiligung ist erschüt­ternd. Hier in Berlin sind grade mal 33 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne gegan­gen.

  5. Pingback: Simon Zeimke
  6. Pingback: Exx

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