57% der Wahlberechtigten Deutschland sind gestern lieber zuhause geblieben oder haben sich ein schönes Wochenende gemacht. Das bedeutet nicht, dass die Wahl undemokratisch war oder dass die 99 Abgeordneten, die Deutschland entsendet, ohne Legitimation wären; es bedeutet einfach nur, dass 57% Wählerinnen und Wähler auf ein grundlegendes Recht verzichtet haben.
Ich kann das nicht nachvollziehen. Mit 31 Parteien war bei dieser Wahl die Auswahl so groß wie nie, am mangelhaften Angebot kann es also nicht gelegen haben. Ungültig wählen, nicht wählen und sich zu enthalten bringt absolut nichts — man wirft seine Stimme weg, das war’s. Mir fehlt dafür das Verständnis.

Die Leute verstehen nicht, was sie mit ihrer Stimme bewirken. Und der Wahlkampf hat nur selten überhaupt einen Hinweis darauf gegeben.
Warum 57% der Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen weg werfen versteht ihr nicht?
Weil sie sich von Europa bevormundet, übergangen und ignoriert fühlen. Weil sogar die deutschen Politiker aller Parteien sie im Wahlkampf nicht über Europa informiert, begeistert und gefesselt haben, sondern ihnen mit bundesdeutschen Themen (wenn überhaupt) oder Köpfen eine ganz andere Wahl vorgegaukelt haben.
Nicht das Verhalten der Wähler ruft bei mir Unverständnis hervor. Sondern vielmehr das, was sie dazu gebracht hat.
Hast du dich eigentlich bspw. mal mit dem Europawahlkampf von Bündnis 90/Die Grünen auseinandergesetzt? Europäischer (abgesehen davon, dass man sicher noch generell mehr hätte trommeln können) ging es kaum, auch die Themen waren mit den anderen grünen Parteien abgestimmt. Ganz zu schweigen von Daniel Cohn Bendit, der bewusst abwechselnd in Deutschland und in Frankreich für das Europaparlament (erfolgreich) kandidiert. Aber es waren ja nicht nur die Grünen (wenn meiner bescheiden Meinung nach auch die Konsequentesten), welche bewusst eine Europawahlkampf (statt Testwahl) betrieben haben. Man könnte meinen du warst seit längerem nicht draußen unterwegs, hast nicht Fern gesehen und das Internet gemieden. Sicher wäre es besser gewesen wenn bspw die CDU mit Herrn Pöttering statt Angela Merkel plakatiert hätte, wenn die CSU nicht so getan hätte als wäre jede Stimme für eine andere Partei ein Verrat an Bayern, aber für Fehlverhalten der Union pauschal alle anderen verantwortlich zu machen ist schon sehr einfach.
Der nächste Punkt: Egal ob CDU, SPD, Grüne oder FDP. Sie alle haben sich *enorm* für den Lissabonvertrag stark gemacht. Wer behauptet, dass diese Parteien den Bürger in bezug auf Europa bevormunden wollen, lügt einfach. Der Lissabonvertrag ist sicher kritikwürdig, aber das Beste was wir derzeit kriegen können (siehe ein Zitat von Bejamin Franklin zur amerikanischen Verfassung) und dieser Vertrag gibt den Bürgern bedeutend mehr Rechte (und Europa mehr Handlungsspielraum gegen Querschläger), als das derzeitige historisch gewachsene Vertragsgeflecht.
Wer nicht realisiert, dass man als Mensch dieser Gesellschaft ein Mindestmaß an demokratischer Teilnahme einzubringen hat und sich an solchen Forderungen stört, der möge bitte nach Singapur umziehen, wo es sich wirtschaftlich trefflich leben lässt bloß ohne Mitbestimmung (und nebenbei bedeutend weniger persönlicher Freiheiten)…
Hört, Hört!
ich versteh es auch nicht.…. seit ich wählen darf, schleppe ich mich bei jedem Wetter, egal ob ich gesund oder krank bin, zur Wahl. Ich ich find es toll, dass ich wählen gehen darf und meine Stimme etwas zählt.….
Aber, meine erste Frage, wenn sich bei mir jemand über politik aufregt ist immer: „Waren Sie wählen?” Wenn dann ein nein kommt, folgt promt meine Antwort:
„Wer nicht wählen geht, der darf sich auch hinterher nicht beschweren. Basta!”
Ich sehe es ähnlich wie Simon Zeimke. Die Politik hat nicht ursprünglich die Aufgabe, dem Wähler „den Arsch hinterher zu tragen”. Und der Wahlkampf hat auch nicht primär den Zweck, die Leute überhaupt zur Wahl zur bewegen sondern dafür zu sorgen, dass sie das Kreuz an der richtigen Stelle machen.
Wenn der Wähler glaubt, dass die Demokratie auch ohne seine Stimme funktioniert — bitte sehr. Es ist wie bei vielen Dingen, die sich lange gesetzt und bewährt haben. Sie werden absolut für absolut selbstverständlich und schließlich überflüssig gehalten.
Ich habe absoult kein Verständnis dafür, dass der durchschnittliche Wähler zu faul ist, sich einmal anständig über die Alternativen zu informieren wenn er schon der Meinung ist, dass die „großen Fünf” für ihn nicht passend sind. Mein Gott, wir hatten alles auf dem Wahlzettel. Drei verschiedene Rentnerparteien, eine Partei, die Deutschland deindustrialisieren möchte, eine spirituelle Partei. Und wer ökologisch, aber nicht links denkt, der hatte auch eine Alternative. Es gab für jeden etwas. Sogar europaskeptische Parteien für den Protestwähler.
Ich bin maßlos enttäuscht vom Wähler.
Keine Frage. Die niedrige Wahlbeteiligung ist erschütternd. Hier in Berlin sind grade mal 33 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne gegangen.
Was sagen Blogger zur Europawahl…
Nachdem ich schon ein wenig die Presseberichte zur Europawahl hier gesammelt habe und auch meine eigenen Gedanken zum Ergebnis gebloggt hab, will ich nun mal schauen was andere in der Blogosphäre so schreiben.
Beginnen will ich mal mit meinem Liebling.…
[…] der Europawahl und der enttäuschenden Wahlbeteilung überlegt man nun den Nichtwählern 50 Euro abzuknüpfen. Jaja, FREIE […]
50 Euro Strafe für Nichtwähler! Warum nicht?…
Das drollige an dieser Forderung von Jörn Thießen (SPD) ist in meinen Augen nicht das Bußgeld – so etwas gibt es in anderen EU Ländern auch schon, sondern die Naive Annahme, das durch eine höhere Wahlbeteiligung die Stimmenanteile der etablierte.…..