Zusammenfassung der Unterhaltung von Historiker Arnulf Baring und Journalist Jan Fleischhauer

Mimimi.”

3 Kommentare

  1. 2. Juni 2009 geschrieben in 13:03 | Permalink | Antworten

    In der Tat “Mimimi” trifft es genau. Ich hätte niemand Intelligentes zugetraut, sich so in einer Zeitung zu blamieren (und nebenbei den “linken Gegner” größer zu machen als er ist; wär schön wenn Bayern endlich mal so von Links dominiert wäre, sie sie es uns glauben machen wollen).

    Naja ich warte ja schon auf die nächste Wahlnachlese im Fernsehen, bei der Grüne und SPD von Herrn Markwort oder anderen seines Kalibers nicht dem “bügerlichen Lager” zugerechnet werden, weil die ja bekanntermaßen alles Bürgerschrecks sind… Man kann sich seine Feindbilder auch einbilden. Selbige Psychose scheinen mir die beiden interviewten Herren zu haben.

  2. Kalle
    2. Juni 2009 geschrieben in 13:58 | Permalink | Antworten

    Wer ein paar Artikel von Jan Fleischenhauer (dessen Buch “Unter Linken” ich grade lese) gelesen hat bekommt den Eindruck, dass dieser Mensch eine schreckliche Panik vor allem “Linken” entwickelt hat.

    Man macht es sich zu einfach, wenn man schlicht “Linke” mit “Gutmensch”, “Weltverbesserer”, “naiv” usw. gleichstellt. Sehr erhellend war in diesem Zusammenhang auch ein Artikel, den ich kürzlich in einem Köner FDP-Blatt gelesen habe. Demzufolge geben “Sozis” immer vor, “gut” zu sein, geben aber in Wirklichkeit genauso gerne Geld für sich aus, wie alle anderen. Natürlich das Geld anderer, wie es sich für einen guten Sozi gehört.
    Ein schlichteres Weltbild ist wohl kaum vorstellbar.

    Für mich bedeutet Linkssein mehr als Biosaft, Multikulti-Nachbarschaft und der Kulturteil der SZ. Linkssein bedeutet für mich übrigens auch nicht Verzicht auf Luxus. Als Oskar Lafontaines teilweise aufwendiger Lebenstil einmal kritisiert wurde, antwortete Gysi: Solange er nachher eine saftige Steuer darauf zahlt und an die Gemeinschaft abführt darf er gerne so luxuriös leben wie er möchte. Dieser (zugegeben etwas platte) Satz sagt es eigentlich ziemlich genau. Ich bin kein Gutmensch, aber ich kapituliere auch nicht vor dem Dogma der Rechten, dass der Mensch schlicht böse und egoistisch sei und dass es deshalb garkeinen Zweck hätte, sich irgendwelche Utopien zusammenzuspinnen.

    Ungeheurlich übrigens ist Barings Behauptung, der NS-Staat wäre im Kern nicht Rechts (also Links) gewesen. Was für eine unglaubliche Behauptung. Damit disqualifiziert er sich pratisch selber. Diese Menschen beziehen ihren Lebenssinn doch nur dadurch, sich krankhaft von allem “Linken” und der ganzen Gutmenschelei abzugrenzen, egal wie sehr sie sich in Widersprüche und Falschannahmen verstricken.

    Da habe ich authentische Rechte wie die Neocons doch lieber. Die weisen wenigstens ein durchdachtes Weltbild auf.

    • 22. Januar 2010 geschrieben in 01:22 | Permalink | Antworten

      Das Problem liegt in der unzureichenden Abbildungsfähigkeit des Links-Rechts-Schemas. Wer Sozialismus, nationale Emanzipationsbewegungen und Antiimperialismus als links klassifiziert, muß zwangsläufig auch die Nazis als Linke sehen.

      Es war eine sozialistische, nationale Emanzipationsbewegung, die sich gegen das Gespenst des bösen imperialistischen westlichen, bzw. jüdischen Kapitalismus zur Wehr setzte.
      Aus der Sicht der Nationalsozialisten war Deutschland eine zu befreiende Kolonie der Siegermächte von Versailles, waren die Deutschen ein imperialistisch (heute nimmt man den Platzhalter neoliberal) fremdbestimmtes Volk.
      Viele der damaligen Argumente findet man in heutigen Debatten wieder. Kern der Argumentation ist wieder die Emanzipation des Volkes und die nationale Abschottung seiner Märkte gegen die gespenstischen Verschwörungen des internationalen Finanzkapitals. Dazu kommen ein der jeweiligen Mode angepaßter Antisemitismus, die teils verdruckste, teils offene Ablehnung der Demokratie als korrupt und kapitalistisch und die felsenfeste Überzeugung, die Regierung müsse den Menschen vom Hausbau bis in Kindererziehung und Alltagsspeise hinein das richtige Leben beibringen.
      Der Nationalsozialismus ist heut wieder so aktuell wie nie, nur hat er sich auf zwei konkurrierende Parteien mit schwarz-weiß-roter Fahne verteilt.
      Eine der beiden ist so altmodisch, daß sie keine Chance hat, über Landtage hinaus zu wachsen.
      Das ist die mit dem nationalen Sozialismus für Verblödete, samt Rassismus, Judenhaß und Spätweimarer Opfermentalität.
      Die andere gibt sich modisch, frech und schick und hat durch die Integration verschiedenster und äußerst widerstrebender Strömungen vom modernen nationalen Sozialismus bis zum Anarchismus bereits in Teilen der Republik den Status einer Volkspartei erreicht. Das ist der nationale Sozialismus der Mauerschützen und Geisteswissenschaftler mit Edlem Wilden, Antizionismus und Globalisierungsopfermentalität.
      Die NPD schwafelt von der Querfront. Die SED hat sie teilweise schon gebildet.
      Diese Gemeinsamkeiten zwischen “Links” und “Rechts” an den politischen Rändern haben es Leuten, die nicht gerade im Rampenlicht stehen, schon immer leicht gemacht, zwischen roten und braunen Extremisten zu wechsen, wie gerade der Wind wehte. Daher letztlich die Hufeisentheorie, die aber den seit ‘33 entstandenen Graben ignoriert. Links oder rechts zu sein, ist heute für die meisten, die sich selbst so nennen, eine Frage der persönlichen Identität. Es ist eine kulturelle Frage. Man ist links, weil man die Rechten haßt und man ist rechts, weil man die Linken haßt.
      Politische Inhalte sind dabei oft beliebig und orientieren sich an Wunschträumen oder daran, was das jeweils modische Feindbild gern hätte.

      Den Wählern ist das wurscht. Die haben die Wahl zwischen NPD und SED. Beide sind erwiesenermaßen inkompetent. Aber die SED hat im Osten vierzig Jahre Regierungserfahrung und all ihre alten Nutznießer und Bonzen. Eine stabile Wählerschaft, die niemals NPD wählen würde. Die NPD ist im Osten die sozialistische Partei für diejenigen, die wie zu DDR-Zeiten Kiffer und Gammler hinter Gittern sehen wollen.
      Die Hufeisentheorie übersieht auch einen entscheidenen Unterschied im Rassismus der Blöcke: Der braune Rassismus ist seit den Nazis auf Vernichtung angelegt. Es ist ein Rassenhaß.
      Der rote Rassismus ist wie der Rassismus der Konservativen eine dem Zeitgeist entsprechende White Man’s Burden.
      Die einen wollen minderwertiges Leben vernichten. Die anderen wollen zurückgebliebenen, unterbeleuchteten Kinderchen von Mutter Erde etwas gutes tun.
      Daraus resultiert natürlich auch zwischen rot und braun ein heftiger Konflikt im Umgang mit Ausländern und Einwanderern in Deutschland. Die aussenpolitischen Auffassungen sind dagegen nicht sehr weit auseinander. Sogar die NPD ist für Entwicklungshilfe.
      Links-Rechts und Hufeisen scheitern auch am Konflikt zwischen konservativen bzw. neoliberalen Rechten und sozialistischen Rechten. Da ist im Menschenbild und im Staatsentwurf ein Graben, der sich nicht kitten läßt. Gleichzeitig sind rechte Radikalliberale viel näher am linken Anarchismus als an Konservativismus oder gar Nationalsozialismus und christliche Konservative konkurrieren oft mit Sozialdemokraten um dieselben politischen Forderungen.
      Links-Rechts taugt ganz gut für Schulhofmobbing und manchmal zur groben Beschreibung kultureller Strömungen. Zur Abbildung der politischen Szene ist es unnütz. Da sollte man lieber bestimmte Kernprobleme der Politik und typische Pole nehmen, beispielsweise Frei-Handel vs. Autarkie, Interventionismus vs. Neutralität, Bündnistreue vs. Isolationismus, Individualismus vs. Kollektivismus, Mündigkeit vs. Obrigkeit und so weiter.

Ein Trackback

  1. [...] Was ist heutzutage eigentlich links? Diese Frage haben wir dem Historiker Arnulf Baring und dem Journalisten Jan Fleischhauer gestellt. Das Ergebnis: Für Baring und Fleischhauer jedenfalls sind Linke tendenziell griesgrämig, neigen zur Selbstzufriedenheit und mögen fair gepressten Saft. (…)“ (weiterlesen über den obigen Link- viel Spaß- im Übrigen kann ich den o. a. Saft kaum ertragen- Kommentare Anderer u. a. hier) [...]

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