Hier in Südbaden ist „Fasnet“ die fünfte Jahreszeit, aber ein Wahlkämpfer weiß: So richtig dreht man erst im Wahlkampf durch. 24-Stunden-Stände, Diskussionen, Rosen verteilen, sich die Füße wund laufen beim Prospekte verteilen, twittern, Flashmobs organisieren und vieles mehr …
Und das immer mit einem Lächeln? — Ja!
Und wie geht das? Mit der guten Laune, die uns skurrile Situationen bescheren.
Hier ein paar Kostproben:
- Ein übermotivierter Wahlkämpfer will auf die Europawahl aufmerksam machen. Er fragt einen vorbei laufenden Passanten: „Wann ist denn eigentlich die Europawahl?“Der Passant mustert ihn, schaut sich das SPD-Shirt an und meint dann trocken: „Wenn SIE das nicht wissen, dann kann ihnen auch keiner mehr helfen.“
- Als Kandidatin zur Europawahl bin ich momentan auf mehreren Diskussionsveranstaltungen mit Vertretern von anderen Parteien. Das Glück jedes Politikers ist das Sammeln von Fragen. So kann man relativ unbemerkt Fragen einfach NICHT beantworten. Nur: irgendwann fällt es auf, dass CDU und FDP NIE die Frage beantworten, was eigentlich in ihrem Wahlprogramm steht …
- Momentan immer öfter zu beobachten: Der interne SPD-Generationenkampf. Ein Kampf den alle nur verlieren können. Anstatt gemeinsam für mehr Plätze im Gemeinderat zu kämpfen, lautet die Maxime der Jungen einen der älteren Genossinnen oder Genossinnen raus zu hauen. So verpasst man jegliche Möglichkeit zur Kommunikation, startet eigene Wahlkampfaktionen ohne Absprache und landet dann – hm, wo denn? – als Lachnummer in der Zeitung. Ähnlich grausam ist aber jeglicher Wahlkampfstress auf die Schultern der Jusos zu verlagern. Solidarität = Wahlerfolg, oder?!?
- Immer mehr WahlkämpferInnen trauen sich an die Königsdisziplin heran – DER HAUSBESUCH. Möglichst entspannt versucht man in kurzer Zeit sich und seine Standpunkte darzustellen. Aber immer wieder wird man von der Herzlichkeit der Bürgerinnen und Bürger aus dem Konzept gebracht. Zum Beispiel, wenn der Angesprochene plötzlich in die Wohnung schreit: „Schatz, mach mal Kaffee! Die Luisa von der SPD ist da.“ Nach zehn Muffins und gefühlten zwei Litern Kaffee ist man wieder mit sich und seiner Umwelt im Reinen.
Solche oder ähnliche Situationen kennt doch jeder aus dem Wahlkampfwahnsinns-Alltag, oder?
Ich freue mich auf eure Kommentare …

Ich bin überrascht, echter Wahlkampf? Ich hätte doch in Baden bleiben sollen und nicht nach Oberschwaben ziehen (das mich jetzt bloss keiner bei meinen potenziellen Wählern verpetzt).
hier findet ausser Plakaten, nicht-besuchten-Podiumsdiskussionen und vereinzelten Parteiständen in der Fussgängerzone gar nichts statt, was an Wahlkampf erinnert. Entweder die heben sich alles für die Bundestagswahl auf, oder der Oberschwabe an und für sich ist für Wahlkampf nicht empfänglich.
Die wollen Dich nur von der Strasse holen, damit Du nicht aus Versehen noch ein paar CDU-Wähler überzeugst. Da ist ein bisschen Kafffepulver und 10 Muffins doch ein geringer Preis :-)