Im Großen und Ganzen bin ich mit meiner Partei ziemlich zufrieden und ihre Inhalte sind auch die meinen. Recht so, ansonsten wäre ich dort ja falsch. In puncto Wehrpflicht jedoch vertrete ich eine andere Ansicht. Im Hamburger Programm, dem aktuellen Grundsatzprogramm der SPD, steht auf auf S. 26:
Die gesellschaftliche Verankerung und die Akzeptanz der Bundeswehr müssen erhalten bleiben. Die Fortentwicklung der Wehrpflicht ist hierfür ein Garant. Deshalb setzen wir uns für eine Stärkung der Freiwilligkeit beim Wehrdienst ein. Jeder Mensch hat das Recht, den Kriegsdienst aus Gewissensgründen zu verweigern.
Meine feste Überzeugung ist, dass die Bundeswehr international gute Arbeit leistet und einen wesentlichen Anteil zur Friedenssicherung leistet, besonders in Afghanistan. Von mir wird man keine pauschalen „Soldaten sind Mörder”-Sprüchlein hören: ich respektiere die Menschen, die für ihr Land ihr Leben riskieren. Die westliche Gesellschaft, zu der auch Deutschland gehört, muss, wenn der westliche Wertekanon nicht zur bloßen Worthülse verkommen soll, ihrer Verantwortung in der Welt nachkommen. Dazu gehört natürlich auch die Unterstützung der demokratisch gewählten Regierung in Afghanistan.
Nur: die Wehrpflicht hat nichts mit der gesellschaftlichen Akzeptanz der Bundeswehr zu tun. Schon heute ist die Wehrgerechtigkeit nicht mehr gegeben, teilweise wird nur die Hälfte eines Jahrganges überhaupt zum Wehrdienst bzw. zum Zivildienst herangezogen.
Das SPD-Konzept der freiwilligen Wehrpflicht ist im Prinzip schon heute umgesetzt: wer den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen nicht leisten kann, hat die Möglichkeit, ihn ohne großen Aufwand zu verweigern und Zivildienst zu leisten.
Ich glaube jedoch, wir sollten uns von dem Prinzip Wehrpflicht und Bürger in Uniform verabschieden. Deutschland lebt in Europa, nicht zuletzt dank der europäischen Einigung und dank der Europäischen Union, unter Freunden. Unsere Großväter und Urgroßväter kannten Frankreich nur als Erbfeind, davon kann heute keine Rede mehr sein.
Deutschland muss seiner Verantwortung in der Welt gerecht werden. Dazu gehört es auch, Soldaten in ferne Regionen auf der Welt zu entsenden, die viele Deutsche vermutlich auf der Landkarte nicht einordnen können.
Die Wehrpflicht ist ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges, als die Gefahr eines Massenkrieges auf deutschem Boden, die Gefahr eines Bruderkrieges gar, tatsächlich bestand. Die heutige Zeit verlangt jedoch andere Antworten: eine gut ausgebildete Armee, eine Parlamentsarmee, die auf Terrorismus und andere Gefahren die richtigen Antworten geben kann.
Ein weiterer Punkt spricht gegen die Wehrpflicht. Der Staat, der ja nichts anderes ist als die Summe der Bürgerinnen und Bürger, die in diesem Staat leben, hat nicht das Recht, von nur einem Teil der Bevölkerung effektiv ein Jahr ihres Lebens zu beanspruchen und sie zu Wehrdienst zu verordnen — es sei denn, er wäre in seiner Existenz ständig bedroht, so wie Israel.
Zivildienst ist eine unsinnige Verschwendung von Geld und Resourcen: entweder, man leistet hervorragende Arbeit, wie die vielen Zivildienstleistenden in Krankenhäusern — oder man wird eigentlich nicht gebraucht und hat keine Chance, als unnütz rumzusitzen und die Zeit mit unsinnigen Aktivitäten totzuschlgen. Viele Zivildienstleistende werden ausgebeutet und nehmen im schlimmsten Fall regulären Arbeitskräften die Arbeit weg: die Altenpflege sei hier als prominentes Beispiel genannt.
Für mich ist klar: die Wehrpflicht muss endlich abgeschafft werden. Mit der Formulierung im Hamburger Programm bin ich deshalb nicht einverstanden, auch wenn es ein erster Schritt in die richtige Richtung ist. Es gilt, dieses Konzept weiterzuentwickeln, die Bundeswehr in eine professionelle Parlamentsarmee umzuformen, die die Fackel der Freiheit auch in entlegene Regionen in der Welt zu tragen vermag.

Das stimmt nur fast.
Wer den Dienst an der Waffe oder den Zuvieldienst nicht leisten will, hat die Möglichkeit, sich ohne großen Aufwand ausmustern zu lassen. Quoten von 42% Ausgemusterte sprechen für sich. Man darf halt nicht gleich mit Nullbock-Stimmung kommen und damit den Terrier-Instinkt im KWEA-Mitarbeiter wecken. T3 und frei.
Ich habe selbst erfahren, wie einfach es ist, sich ausmustern zu lassen. Es reicht eine leichte Krümmung im Rücken oder ähnliches, ich wurde fast ausgmustert, konnte das aber zum Glück verhindern, da ich den Zivildienst fest eingeplant habe.
Ich teile deine Meinung, der Dienst an der Waffe ist ein nutzloses und völlig überholtes Modell, eine gigantische Geldverschwendung.
Ich halte es allerdings für eine gute Sache, die Jugend zu einem Jahr (oder 9 Monten) Arbeit für die Gesellschaft zu verpflichten. Ich habe den Zivildienst mehr oder weniger freiwillig geleistet (ich hätte die Möglichkeit gehabt, mich ausmustern zu lassen) und habe viel draus mitgenommen. Außerdem ist er eine gute „Pause” zwischen schulischer Bildung und Berufsbildung oder Studium.
Eine gute Sache für wen? Die Jugend oder die Gesellschaft?
Was bringt es der Gesellschaft, wenn man den Industriemechaniker direkt nach Ende seiner dreieinhalb Jahre Ausbildung von seinem selbst gewählten Beruf unter der Androhung von Freiheitsstrafe für 9 Monate in ein völlig anderes Umfeld und einen völlig anderen Beruf zwingt?
Was bringt es dem einzelnen Schwerstbehinderten, wenn seine Betreuung hauptsächlich von zwangsrekrutierten End-Teenagern durchgeführt wird, die zu allem Überfluß auch noch alle 7 Monate wechseln?
Was bringt es der Gesellschaft, wenn die Arbeitgeber der ZDL gewinnorientiert wirtschaften und für den ZDL zwar fast nichts bezahlen, den Krankenkassen aber trotzdem die vollen Sätze in Rechnung stellen?
Bei solchen Sätzen könnte ich ehrlich in die Luft gehen. Es mag sein, dass es für Dich keine Einschränkung in der persönlichen Lebensplanung gewesen ist, es mag sein, dass das sogar für die überwiegende Mehrheit der Wehrpflichtigen (GWDL und ZDL) gilt. Daraus aber in verdrehter Kant’scher Manier zu folgern, es müsse für alle etwas positives sein halte ich für ziemlich vermessen.
Nehmen wir mal so Dinge wie Auslandsstudium (geht nicht wegen Wehrpflicht, wer weiss wann man eingezogen wird, Genehmigungen, die Bundesrepublik zu verlassen erteilt das BMVg aus Prinzip nicht),
nehmen wir so Dinge wie Arbeitsplatzverlust (der Ausbildungsvertrag läuft aus und die Firma beschäftigt im Zweifelsfall die weiter, die nicht innerhalb der nächsten 3 Jahre irgendwann mal für 9 Monate ausfallen und was völlig fachfremdes machen),
nehmen wir mal so Dinge wie Verdrängung von regulären Arbeitsplätzen.…
„Eine gute Sache für wen? Die Jugend oder die Gesellschaft?”
Für beide. Die Gesellschaft hat Vorteile durch die ZDL, der ZDL erföhrt positive Effekte auf die Persöhnlichkeitsbildung.
„Es mag sein, dass es für Dich keine Einschränkung in der persönlichen Lebensplanung gewesen ist, es mag sein, dass das sogar für die überwiegende Mehrheit der Wehrpflichtigen (GWDL und ZDL) gilt. Daraus aber in verdrehter Kant’scher Manier zu folgern, es müsse für alle etwas positives sein halte ich für ziemlich vermessen.”
Wenn die „Lebensplanung” darauf hinausläuft möglichst schnell möglichst viel zu erreichen und der Gesellschaft auf dem Weg nach oben möglichst wenig zurückzugeben hast du Recht. Man kann den Zivildienst aber auch als Zeit der Persöhnlichkeitsbildung und sozialen Arbeit für die Gesellschaft begreifen, nicht als verlorene Zeit. Wenn ich deine Logik fortführe sollten alle institutionalisierten „Zwangsaufenthalte” (darunter die Schule und die Universität [falls man die Qualifikation benötigt]) auf dem Lebensweg auf freiwilliger Basis besucht werden sollen. Es könnte ja sein, dass nicht alle Menschen zB das zehnte Schuljahr für persönlich gewinnbringend erachten und es als „verlorene Zeit” betrachten.
Genau in dem Sinne begreife ich auch den Zivildienst, der für mich in erster Linie eine Arbeit für die Gesellschaft ist, der man bis dahin schon viel zu verdanken hat. Und wenn man diese zeitlich begrenzte soziale Arbeit für die Gesellschaft für so wichtig hält wie ich, dann fordert man auch, dass sie verpflichtend wird und nicht bloß auf freiwilliger Basis verbleibt.
@Christian:
Es geht eben nicht darum, ob jemand es machen !möchte!. Ich bin überzeugt davon, dass, wenn es das Abitur ohne Prüfung gäbe, auch die meisten dankend auf die Prüfungen verzichten würden, weil sie ja verschwendete Ressourcen bedeuten würden.
Anderes Beispiel: Viele Menschen werden das jährliche Steuerzahlen vermutlich nicht als gewinnbringende Investition betrachten. Einfach, weil die Vorteile (zB daraus bezahlte Infrastruktur, soziale Leistungen, die nur zeitweise in Anspruch genommen werden müssen) nicht permanent offensichtlich sind. Trotzdem ist das Steuerzahlen selbstverständlich verpflichtend. Auch für die Leute, die es persöhnlich als Verschwendung ihres Geldes ansehen und denen der Nutzen vielleicht erst klar wird wenn sie einmal eine teilweise steuerfinanzierte Rente erhalten.
Ebenso werden viele Menschen den Nutzen, den der Zivildienst für die Gesellschaft und für sie selber bringt vermutlich nicht oder erst im Nachhinein erkennen. Solange ein soziales Jahr also freiwillig ist werden sie es vermutlich nicht antreten weil ihnen der Nutzen eben nicht klar ist.
Wie gesagt: ich sehe die Gefahr der Ausbeutung durch die freie Wirtschaft als durchaus gegeben an, da das auch heute schon beim Zivildienst teilweise passiert, und kann dem Konzept Pflicht-Arbeitsjahr aus diesem Grund nichts Positives abgewinnen.
Wenn ich gemein wäre, würde ich jetzt den Advocatus Diaboli spielen und fragen: warum eigentlich nur ein Jahr? Warum nicht zwei oder drei? Aber ich bin ja nicht gemein. ;)
Du kannst ruhig gemein sein, denn ich kann dir eine Antwort geben: Es muss, wie in den meisten Feldern der Gesellschaft, eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnisen und den Bedürfnisen der Gesellschaft gefunden werden. Ist doch logisch. Und ohne mich näher damit beschäftigt zu haben denke ich, dass ein fünfjähriges soziales Jahr ein krasses Missverhältnis wäre wobei das genauer untersucht werden müsste.
Der Arbeitsmarkt-Verdrängungseffekt ist zwar ein starkes Argument, aber der Zivildienst hat es sich schon jetzt in vielen Nischen „eingerichtet”, die aus der Sicht des reinen Profitdenkens nicht mehr tragbar sind, weil sie — nach den Regeln des Marktes — einen zu geringen Lohn für ein normales Arbeitsverhältnis bringen würden. In solche Nischen zielen zB auch Ein-Euro-Jobs. Sie stellen Arbeit dar, die zwar notwendig ist, aber nach wirtschaftlichen Kalkulationen nicht rentabel ist. Dort sehe ich auch die Zukunft des sozialen Jahres.
Das sehe ich anders. Es gibt Zivildienststellen, die völlig unnötig sind, die würden ohne Wehrpflicht dann auch wegfallen, und es gibt Zivildienststellen, die sehr notwendig sind, die aber ebenso von einer regulären Arbeitskraft und keiner Zwangsarbeitskraft wahrgenommen werden könnten.
Ich kann dem Vorschlag einfach nichts Positives abgewinnen.
… und es gibt Stellen, die benötigt werden oder zumindest von der Gesellschaft stark erwünscht werden, aber nicht regulär bezahlbar sind. Zum Beispiel die, in der ich gearbeitet habe.
Bleiben wir doch mal bei dem Vergleich mit Ein-Euro-Jobs. Bei ihrer Einführung waren die Stimmen, die Verdrängungseffekte anmahnten auch recht laut (und sind sie immer noch). Sie wurden trotzdem eingeführt als ob das Argument der Verdrängung nichts wert wäre.
Dann fasse ich zusammen:
Gegen Zivildienststellen spricht, dass sie entweder nicht sinnvoll sind oder dass sie, wenn sie denn doch sinnvoll wären, ebenso regulär bezahlt werden könnten, marktwirtschaftlich also profitabel sind.
Für Ein-Euro-Jobs spricht, dass sie sinnvoll sind, regulär aber nicht bezahlt werden könnten.
Zivildienststellen und Ein-Euro-Jobs liegen oft auf dem gleichen „Niveau” der absolut unqualifizierten Arbeit. Wir haben hier also einen deutlichen Wiederspruch, merkst du das?
Und warum nicht? Weil die Gesellschaft (der ja die ZDL Deiner Meinung nach dienen) nicht bereit ist, diese Stellen adäquat zu entlohnen. Und dafür lässt man dann diejenigen „büssen”, die für diese gesellschaftliche Entwicklung am allerwenigsten können.
„Wir sind zwar der Meinung, dass diese Jobs wichtig sind, haben aber keinen Bock, dafür was zu bezahlen, aber zum Glück gibt’s ja die Zangsverpflichteten” eine schöne Gesellschaft, der man da dient in dem man ihr 9 Monate opfert.
Das ist doch nichts neues, dass es in der Gesellschaft Jobs gibt, die zwar wünschenswert aber nicht bezahlbar sind. Es gibt eben, zumeist niedrigstqualifizierte Arbeit, die nur noch rentabel ist wenn dafür ein Lohn bezahlt wird, der den Lebensunterhalt nicht sichern kann. Ohne die ganzen Zivis im Gesundheitssystem hätten wir doch eine dramatische Unterversorgung, denn diese ganzen Fahrer-, Transport– und Boten-Stellen sind doch nach marktwirtschaftlichen Regeln höchstens bei einem Lohn von 2€ die Stunde (geschätzt, keine Gewähr) rentabel.
Das ist Deine Sichtweise. Irgendjemand hat entschieden, dass es für die Gesellschaft und die männlichen tauglichen Jugendlichen (das sind momentan ca. 24% eines Jahrgangs, die Frauen mitgerechnet) gut ist, 9 Monate einen Zwangsdienst auszuüben. Völlig egal, wie die Lebensplanung des einzelnen aussieht.
Dieser Zwangsdienst ist kein Dienst an der Gesellschaft, es ist ein Dienst für die vielen ZDL-Arbeitgeber. Natürlich hat der ASB nicht gleich 2 hauptamtliche Fahrer rausgeschmissen, als die ZDL kamen, aber man hat weitere Touren angeboten ohne neue einzustellen und als der ein oder andere Hauptamtliche gekündigt hat, wurden die Stellen nicht neubesetzt sondern man hat 2 neue Zivis angefordert. Billiger für die Eltern von geistig Behinderten bzw. die Krankenkassen ist es nicht geworden. Die Aktionäre der Rhön-Klinikum AG haben eine etwas höhere Dividende bekommen, weil man statt 50 Krankenschwestern 100 Zivis eingestellt hat.
Dienst an der Gesellschaft klingt immer so hehr. Aber worin besteht denn für die Gesellschaft der Nutzen? Leisten die 2,3 Millionen Beschäftigten im Gesundheits– und Pflegebereich einen Dienst an der Gesellschaft? Falls ja, warum dann nicht der kelnie Dorfladen, der dafür sorgt, dass die nichrt so mobilen Mitmenschen nicht in die nächste Stadt zum einkaufen fahren müssen?
Um den Begriff „DIenst an der Gesellschaft” zu klären: Damit meine ich eine Tätigkeit, die der Gesellschaft nützt (darunter fällt natürlich auch der Dorfkrämer und die Krankenschwester) aber nicht adequat bezahlt wird, nicht Lebensunterhaltssichernd ist, also nicht zum eigenen Lebensunterhalt geleistet wird sondern für die Gesellschaft.
Über die Arbeitsmarktproblematik wurde hier schon diskutiert, ohne Ergebnis.
Warum wird er nicht adäquat bezahlt?
Weil wir uns das nicht leisten können, oder weil wir es uns nicht leisten wollen?
Und wer entscheidet, dass wir uns das nicht leisten wollen? Warum versucht man nicht die Einstellung derjenigen zu ändern sondern gibt ihnen nach?
Ich sehe auch keinen Sinn in einem Pflicht-Arbeitsjahr. Wer das machen möchte, kann problemlos ein FSJ leisten (ich habe auch ein FSJ statt Wehrdienst gemacht), wer das nicht möchte, sollte es auch nicht tun müssen.
Hauptprofiteur eines solchen Arbeitsjahres wäre „die Wirtschaft”. Ohne mich. ;-)
Selbstverständlich muss darauf geachtet werden, dass der Zivildienst oder das soziale Jahr nicht zur Ausbeutung einladen oder reguläre Arbeitsplätze verdrängen. Ich sehe da nicht das Problem. Im Zuge der Agenda 2010 wurden zahlreiche Instrumente für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse eingeführt. Der Zivildienst (der im Prinzip vergleichbar mit einer geringfügigen Beschäftigung ist) hat damals schon lange bestanden.
Die Stelle vielleicht (wobei man, wenn man sich die diversen 1-EUR-Jobs anschaut da durchaus auch anderer Meinung sein kann), der Stelleninhaber aber ganz und gar nicht.
Der 1-EUR-Jobber, der nicht zur „Arbeit” kommt, verliert im Extremfall für kurze Zeit seinen Anspruch auf ALG-II (was für ihn sicherlich auch sehr schlimm ist), der ZDL, der nicht zur Arbeit kommt wandert für 4 mal 14 Tage in die Einzelzelle des Wachhäuschens der nächsten Kaserne und tritt danach dann irgendwann vor den Strafrichter.
Gebe dir vollkommen Recht. Ich habe auch niemals die Stelleninhaber verglichen sondern nur die Jobs, die diese ausführen.
Zum Vergleich „1-Euro-Jobs”/Pflichtarbeitsjahr:
Schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose mit Jugendlichen zu vergleichen ergibt keinen Sinn. Der Vergleich geht völlig fehl.
Nein, denn verdrehst den Vergleich: Es geht nicht um den Vergleich Ein-Euro-Jobber — Zivildienstleistender sondern um den Vergleich Arbeitsplatz des Ein-Euro-Jobbers — Arbeitsplatz des Zivildienstleistenden.
Ich hoffe du hast diese wichtige Unterscheidung nicht absichtlich unter den Tisch fallen lassen.
Ich halte das einfach nicht für vergleichbar. Das Ziel der „Ein-Euro-Jobs” ist ein völlig anderes: Arbeitslose sollen wieder für den Arbeitsmarkt „fit gemacht” werden. Ob das immer klappt oder ob das Instrument dafür das richtige ist, darüber kann man sich streiten, da bin ich mir auch nicht sicher, da ich mich hier einfach nicht genügend auskenne.
Ehrlich, ich weiß nicht, was der Sinn eines Pflichtarbeitjahrs sein soll. Wer das Gefühl hat, das nach der Schule zu brauchen, hat heute die Möglichkeit dazu — wer es nicht machen will, darf nach meinem Dafürhalten gerne direkt studieren oder arbeiten.
Hmm, ich beende die Diskussion jetzt, denn auf beide Fragen die du zuletzt aufgeworfen hast habe ich bereits Antworten gegeben. Ich habe das Gefühl, wir drehen uns im Kreis und Verstehen uns auch nicht wirklich (was grade bei dem Vergleich Ein-Euro-Jobs — ZDL klar wurde).
Was uns immerhin eint ist die Tatsache, dass wir beide nicht mit der offiziellen SPD-Haltung übereinstimmen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen ;).
Ich verstehe schon, was Du meinst, bin da aber einfach anderer Ansicht. Das soll’s ja geben. ;)
Die Zahl der Quoting-Ebenen ist begrenzt, deswegen mach ich unten weiter.
Das stimmt so nicht. Im Jahr 2005 hatten wir 65’000 ZDL-Stellen, das sind weniger als 3% der Beschäftigen im Gesundheits– und Pflegebereich, die zudem noch ganz unten auf der Qualifikationspyramide stehen. Dramatische Unterversorgung sieht in meinen Augen anders aus.
Die Zahl der ZDL-Stellen hat sich seit Mitte der 90er übrigens halbiert, wo siehst Du eine dadurch verursachte dramatische Unterversorgung und warum setzt Du Dich dann nicht dafür ein, dass diese Lücken mit Menschen geschlossen werden, die entsprechende bezalht und motiviert sind?
Würde man alle 65’000 Stellen durch hauptamtliche AN ersetzen, die Lohnkosten von 40’000 EUR pro Jahr verursachen (das wären dann so ca. 33’000 EUR brutto), dann käme das die Gesellschaft auf ca. 2,5 Milliarden EUR pro Jahr. Das ist weniger als 1% der Gesundheitsausgaben des Jahres 2006. Dafür hätte man als Kranker/Hilfsbedürftiger dann ein motiviertes Gegenüber.
Die Zahlen habe ich hier mal gerechnet.
http://blog.markus-ritter.de/2008/12/30/die-maer-vom-zivildienst/
Gute Recherche, mich überzeuge deine Zahlen. Auch wenn es natürlich nur ein grober Überblick sein kann. Zivildienstleistende leisten zB auch einen Beitrag zur Rentenfinanzierung, ich bin mir nicht sicher ob das bei der Rechnung berücksichtigt wurde. Außerdem ist es ja nicht ohne weiteres möglich, zwischen den einzelnen Resorts (Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, etc.) nach belieben Geld hin– und her zu schieben. Aber nun gut. Dann nehmen wir an, dass eine Umwandlung in reguläre Stellen insgesamt knapp eine Milliarde pro Jahr kosten würde, die der Staat zusätzlich von seinen Bürgern einsammeln müsste. Das ist in der Tat vergleichsweise wenig.
Ich muss darüber noch nachdenken, aber es könnte gut sein, dass ich meine Meinung zur Arbeitsmarktneutralität ändere.
Generell sehe ich Vollbeschäftigung bzw. eine niedrige Arbeitslosenzahl aber auch nicht als das Ziel der Gesellschaft an. Vollzeitarbeit und Vollbeschäftigung sind meiner Meinung nach Auslaufmodelle, was das Argument der Arbeitsmarktneutralität für mich subjektiv weniger wichtig erscheinen lässt, aber das ist ein anderes Thema.
Das alles ändert freilich nichts daran, dass es auch nicht-wirtschaftliche Argumente für oder gegen den Zivildienst gibt. Ich kenne eine Menge Zeitgenossen, denen ein Kontakt mit den schwächeren Mitgliedern unserer Gesellschaft mal wirklich gut getan hätte. Viellicht hätte Herr Missfelder seine Ansichten zur Hüftgelenkversorgung der älteren Generation wesentlich positiver entwickelt wenn er statt des Wehrdienstes Zivildienst im Altenheim gemacht hätte.
Der Zivildienst kann als Dienst an der Gesellschaft und als Instrument zur positiven Persöhnlichkeitsentwicklung betrachtet werden. Die psychologischen Effekte, die ein neunmonatiger Dienst im Auftrag der Gesellschaft hat sollten nicht unterschätzt werden.
Und das kann man leider nicht gleichzeitig effektiv und freiwillig gestalten. Aber über diese Problematik wurde hier schon gestritten.
Vorwort:
Wir werden nicht zu einem gemeinsamen Punkt kommen, aber ich fand die Diskussion mit Dir erfrischend, es bringt ja nicht, sich immer gegenseitig zur gleichen Meinung zu gratulieren und auf die Schulter zu klopfen :-)
Da es sich bei diesem Thema in Bezug auf mich allerdings so verhält wie die Klingel zu Pawlows Hunden, möchte ich für eventuell kommende Ausfälle meinerseits um Entschuldigung bitten.
/Vorwort
1. Das hätte es sicher gehabt wenn,
2. sich der Herr Missfelder mit seinen Kontakten nicht einen lockeren Büro-ZDL-Job gekrallt hätte und
3. bei Mao war es wenigstens noch: bestrafe einen, erziehe hundert und nicht umgekehrt.
Die Wehrpflicht greift tief in die persönliche Freiheit des einzelnen ein. Das ist systemimmanent, denn wenn es keinen (potenziellen) Zwang gäbe, wäre sie eine Farce.
Ich sehe einen grossen Unterschied zwischen der allgemeinen Schulpflicht (die ja so toll nicht sein kann, wenn sie pro Jahr 80’000 junge Menschen ohne Schulabschluss entlässt, das ist aber eine völlig anderes Thema) und der Wehrpflicht. Das kann ich allerdings vermutlich nicht so schriftlich in Worte packen, dass am Ende das dasteht, was ich eigentlich meine, von daher lass ich’s.
[…] Das komplette Interview ist sehr lesenswert, ich jedenfalls habe inhaltlich nicht auszusetzen. […]