Der „Adel” und die Republik

Deutschland ist eine Republik. Der „Adel” besitzt seit der Weimarer Verfassung in Deutschland keine Vorrechte mehr:

Öffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzu­heben.
Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden. (Artikel 109)

Trotzdem betreibt der SPIEGEL Hofberichterstattung rund um die Nachkommen von Wilhelm II (leider noch nicht online verfügbar). Trotzdem ist rund um Schloss Salem ständig vom „Haus” Baden die Rede (eben­falls nicht online verfügbar) — und nicht einfach von der Familie Baden, wie es richtig heißen sollte.

Dass die BILD 2008 fragte, wieviel blaues Blut denn in uns steckt — geschenkt.

Was sollte man mit diesem „blauen Blut” übri­gens anfangen? Stolz auf die Vergangenheit bräuchte man nicht zu sein: der „Adel” hat immer wieder versagt und kam seinem Selbstverständnis als Elite nicht nach. Der (noch mit Vorrechten verse­hene) Adel konnte den größen­wahn­sin­nigen Kaiser nicht vom Ersten Weltkrieg abhalten, hat die Weimarer Republik gemeinsam mit Kommunisten und Nazis sturm­reif geschossen und schließ­lich bereit­willig im Zweiten Weltkrieg ein weiteres Mal gemeinsam mit den braunen Horden Feuer und Schwert über Europa gebracht.

Worauf sollte der „Adel” also stolz sein?

Mir ist ein Dieter Bohlen lieber als zehn „von und zu” Guttenbergs.

Über Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

8 Kommentare zu “Der „Adel” und die Republik

  1. Pingback: Hey, SPIEGEL: Deutschland ist eine Republik at Subjektivitaeten

  2. Zum Thema „Haus Baden”:

    man hätte uns (also jetzt nicht direkt mich, sondern meine Vorfahren) 1848/49 einfach machen lassen sollen, statt die Revolution zusam­men­zu­schiessen. Dann hätten wir jetzt wenigs­tens keine Probleme mit „was gehört wem und wieso” z.B. in der badi­schen Landesbibliothek.

    Wenn die Leute fragen,
    Lebt der Hecker noch,
    Sollt ihr ihnen sagen,
    Ja er lebet noch.
    Er hängt an keinem Baume,
    Er hängt an keinem Strick,
    Sondern an dem Traume
    Der freien Republik

  3. und noch was zu Herrn zu Guttenberg:

    Er stellt sich ganz in die Reihen seiner Vorfahren. Es nennt sich jetzt halt anders.

    Seine Familie gehörte bis 2002 zu den Grossaktionären bei der Rhön-Klinikum AG, die auch Zivildienstleistende beschäf­tigt (und die die Aktiengesellschaft gerade mal 90–100 EUR pro Monat kosten).

    • Guter Punkt: Zivildienstleistende, die wirk­lich was leisten, werden einfach nur ausge­beutet. Ein weiterer Grund, warum die Wehrpflicht abge­schafft gehört, und zwar komplett.

    • Hat sich der aller­erste Guttenberg vor 800 Jahren nicht bewaffnet in eine Burg einge­schli­chen und den Vorbesitzer entschä­di­gungslos „enteignet” (wahr­schein­lich final)??? Und ausge­rechnet sein „nobler” Nachfahre — der ja irgendwie immer noch von diesem Raubzug profi­tiert — will uns heute von einer mögli­chen Enteignung der Banken abbringen…!

  4. @Christian Soeder: und wer macht, bzw. bezahlt dann die Arbeit, die sonst Zivis machen würden?