Urheberrecht – Was bleibt vom öffentlichen Interesse?

„Im Netz der Piraten“, so der Titel eines Artikels aus der aktuellen Ausgabe Der Zeit. Dabei, so scheint es, wird die urheberrechtliche Problematik von Internetdiensten wie Google Books in einen Topf mit dem Thema Raubkopien geworfen. Neben vielen anderen, wird dabei ein besonders schwerer Vorwurf gemacht:

Die Ideologen eines „befreiten Wissens“ mögen der Meinung sein, die elitäre „etablierte“ Kunst könne so leicht durch das unlektorierte Mitteilungsbedürfnis der Nutzermassen ersetzt werden, wie der professionelle Journalismus durch Jedermann-Reporter.

Doch gerade dieser Meinung sind die Anhänger des sog. „befreiten Wissens“ (wovon eigentlich befreit?) wohl eher nicht. Schon allein deswegen nicht, weil öffentlich entstandenes Wissen nicht erst von irgendwas befreit werden müsste. Aber auch, weil ein Blogger zumeist kein Profi-Journalist sein kann.

Mit dem wenig unterschwelligen Appell an ein schärferes Urheberrecht hilft die Zeit und andere gerade am wenigsten denjenigen, die Kultur und Wissen in unserer Gesellschaft schaffen. Zunächst einmal darf man bei einer Debatte über das Urheberrecht nicht den Umstand außer Acht lassen, dass es ursprünglich ein Interessensausgleichsrecht war. Es galt die Interessen von Urhebern, Verwerten und der Öffentlichkeit in Einklang zu bringen. Kulturschaffende sollten einen Anreiz haben Kulturgüter zu produzieren, gleichzeitig galt es der Öffentlichkeit (Schulen, Bibliotheken, Privatpersonen) Freiheiten zu lassen.

Doch im Laufe der Zeit ist der Gedanke des Interessensausgleichs zunehmend aus dem Blickfeld verschwunden. Das Urheberrecht entwickelte sich somit immer mehr zu einem gewerblichen Schutzrecht, so dass die Interessen der Öffentlichkeit nicht mehr im Mittelpunkt standen. Viel mehr ging es darum, den Inhabern der Verwertungsrechte möglichst viele Steuerungsmöglichkeiten an die Hand zu geben. Auch die Künstler und Urheber blieben dabei auf der Strecke.

Es wäre vielleicht vereinfacht das Auftauchen von Tauschbörsen und die Zunahme von Raubkopien ausschließlich auf die Entwicklungen im Urheberrecht zurück zu führen. Unumstritten ist jedoch, dass es gerade große Medienkonzerne und Verlage versäumt haben auf die Entstehung des Internets mit kundengerechten Angeboten rechtzeitig zu reagieren.

Es sind auch diese Entwicklungen und Versäumnisse, die der französische Wissenschaftsphilosoph Michelle Serres gemeint haben muss, als er sagte: „Der Pirat des Wissens ist ein guter Pirat“. Deswegen wäre es sinnvoll die Empfehlung der Enquette-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“ aufzugreifen und ein Konzept für „informationelle Grundversorgung“ zu entwickeln.