SPD-Plakate wirken II

Die Agentur Butter kann stolz auf sich sein: wohl selten wurde mit einigen wenigen derart harmlosen Plakatmotiven ein so großes Presseecho erzeugt. Besonders die Finanzhai-Plakate haben das liberale Rückenmark wohl empfindlich getroffen: aus dem liberalen Umfeld kommen etliche Persiflagen auf die SPD-Plakate — was laut Kajo Wasserhövel genau so geplant ist.

Ich finde diese neue Art des Wahlkampfes erfrischend — auch deshalb, weil die Antworten auf die SPD-Plakate entlarvend sind. Der Vorwurf der „Inhaltsleere” ist nun wirklich extrem leicht zu entkräften, dafür spricht das umfangreiche Europawahlmanifest. Weiterhin interessant: während die SPD postuliert, „Dumpinglöhne”, „Finanzhaie” und „Heiße Luft” würden CDU, FDP und Die Linke wählen, also eher unpersönliche Aussagen treffen, sind die Konter der anderen Parteien weit weniger subtil. Mehr noch: sie betreiben Wählerschelte und behaupten u.a., wer sich das Hirn weggepustet hat, soll ruhig SPD wählen. Zudem wird der politische Mitbewerber direkt angegriffen: „Wer Vollpfosten will, muss SPD wählen” ist nicht gerade der normale Stil in unserer Republik. Natürlich provoziert durch die SPD-Plakate, die aber meiner Meinung nach nicht so aggressiv sind, sondern eher provokant-freundlich.

Aber momentan ist alles noch absolut im Rahmen. So macht Wahlkampf Spaß.

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13 Kommentare

  1. Erstellt am 27. April 2009 um 16:33 | Permanent-Link

    So einfach würde ich es mir mit dem Vorwurf der Inhaltsleere nicht machen.

    Natürlich passt das komplette Programm nicht auf ein Plakat, geschweige denn würden es viele lesen (können, oft genug stehen die Dinger ja auch an Durchgangsstrassen).

    Die Werbung für die eigene Partei mittels überspitzter Formulierungen über andere Parteien zu machen, nährt schon den Verdacht, dass den Machern der Plakate kein eigener Programmpunkt eingefallen ist, den abzudrucken sich lohnt.

    Die Plakate an und für sich finde ich aber allemal besser als das hunderste Politikergesicht mit Parteilogo. Es regt zum diskutieren an, gerade auch die Parteigänger der „gescholtenen” Konkurrenz. Auf ein Martin-Schulz-Plakat hätte mich vermutlich niemand angesprochen der weiss, dass ich FDP-Mitglied bin :-)

    • Erstellt am 27. April 2009 um 19:11 | Permanent-Link

      Wenn ich richtig informiert bin, kommt noch eine zweite Stufe, in der dann auch eigene Inhalte thematisiert werden.

  2. Erstellt am 28. April 2009 um 07:18 | Permanent-Link

    Es stimmt schon. Ich bin gestern durch Stuttgart gefahren und zwischen den ganzen „Ego-Passfoto-Plakaten” und einigen eher durchschnittlichen Themenplakten, heben sich solche Plakate schon ab. Zumindest ist es mal ein neues Motiv.

  3. Erstellt am 28. April 2009 um 12:33 | Permanent-Link

    Noch nie gab es wohl ein so reichhaltiges, kreatives, manchmal auch eher plumpes Echo auf eine Wahlplakat-Kampagne wie derzeit, ausgelöst durch die Plakate der SPD, auf denen dargestellt wird, welche Unsympathen welche Partei wählen.

    Die Zahl der Menschen, die mich auf diese Plakate angesprochen haben und mit denen ich anschliessend in eine lockere Diskussion zur FDP, SPD und den übrigen Parteien geraten bin, wäre mit konventionellen Plakaten (also die mit Gesicht und Parteilogo) nie im Leben so hoch gewesen.

    Na also. :)

    • Erstellt am 28. April 2009 um 14:02 | Permanent-Link

      Wobei das Hauptaugenmerk der SPD sicher nicht darauf liegt, allgemein das Interesse an der Politik zu stärken. So staatstragend ist man im Willy-Brandt-Haus dann vermutlich doch nicht :-)

  4. Erstellt am 29. April 2009 um 00:29 | Permanent-Link

    Ich bin heute Abend von einem seit neuerer Zeit politisch aktiven Bürger auf die SPD-Plakate angesprochen worden– er empfindet die Plakate als Beleidigung der Wählerinnen und Wähler– so als ob schon vergessen wäre, wer seit bald 11 Jahren in Bund und (teilweise) in den Ländern Regierungsverantwortung (mit-)trägt und daher für H4, R67, Kriege und PPP usw. verantwortlich zeichnet– genau die Partei, die jetzt mit Negativ-Werbung von ihrer eigenen (ich würde sagen– federführenden) Beteiligung ablenken will (den medial spürbaren „Links-Schwenk” der SPD sprach er nicht an– ich erinnere nur an „Merkelsteuer, das wird teuer”- dann wurden aus CDU-18% eben mal 19% MWSt. mit der SPD).
    Zudem spiegeln die Plakate eine gewisse Arroganz wieder, die in der SPD seit Schröder m. E. leider gängig geworden ist. Insofern– ein großes DANKE an die Verantwortlichen von Werbe-Agentur und SPD-Wahlkampf-Führung– die bisherigen SPD-Plakate sind entlarvend, *weil* sie verlogen sind.
    MfG
    N. Arndt

  5. Erstellt am 8. Mai 2009 um 21:22 | Permanent-Link

    Ich finds einfach nur noch peinlich: Kann mir irgendwer erklären, warum die SPD denn mit Finanzhaien koalieren will? He? Wieso bevorzugt Frank Walter Steinmeier Finanzhaie als Koalitionspartner!?

    Ich finde sowieso vieles unlogisch — gerade Finanz — und Steuerberater können doch gar kein Interesse daran haben, dass die FDP allzu viel zu sagen bekommt. Ein einfacheres Steuersystem benachteiligt doch gerade diese Finanz– und Steuerberater, indem es ihnen die Arbeitsgrundlage nimmt.

    Ganz abgesehen davon: Wenn hatte AWD (-ihr „unabhängiger” Finanzoptimierer ) denn nochmal unterstützt? War es nicht der SPD Gerd? Wenn also wählen die Finanzhaie!?

    By the way: Ich hab nichts gegen kreative Wahlplakate — es stört mich nur, dass das inhaltlich ziemlicher Kokolores ist. Wenn man daran denkt, welches Kaliber die SPD noch zu Brandt’s Zeiten hatte, dann ist das leider sehr, sehr enttäuschend.

  6. Kalle
    Erstellt am 9. Mai 2009 um 22:30 | Permanent-Link

    Für mich sind Finanzberater und Finanhaie zwei völlig unterschiedliche „Dinge”. Letztere sind Menschen, die im großen Stil und zum Nachteil anderer mit Wertpapieren spekulieren oder durch illegale oder zumindest moralisch verwerfliche Geldverleih-Praktiken auffallen. Solche Leute würden ganz sicher FDP wählen, denn ihrem „Geschäft” kommt ein freieres Marktumfeld naturgemäß entgegen.

    Wieso will Frank-Walter Steinmeier mit Finanzhaien koalieren? Nun, erstmal sei festgestellt, dass der bevorzugte Regierungspartner der SPD nicht FPD heißt. In zig Interviews und Statements wurde klargestellt, dass Rot-Grün des Franks liebstes Kind ist. Leider kriegt man meist nicht alles so wie man es haben möchte — und hier kommen die Finanzhaie ins Spiel. Außerdem überschneiden sich Positionen der SPD und FDP in manchen Felder — am ehesten sei hier die Außenpolitik erwähnt.

    Mag übrigens sein, dass die AWD den SPD-Gerd unterstützt hat. Hierbei handelt es sich wohl eher um einen (leider Gottes) alltäglichen Lobbyismus-Vorgang und nicht um eine grundlegende Sympathie, die AWD gegenüber den Idealen der Sozialdemokratie hätte.

    Über den Vorwurf des inhaltlichen Kokolores kann man sich streiten. Für gewöhnlich wirken polemische Wahlkampfslogans — siehe „Freiheit statt Sozialismus”, wobei das nun wirklich Kokolores war.

    (Ich habe bewusst zugespitzt um zu verdeutlichen.)

    • Erstellt am 10. Mai 2009 um 00:27 | Permanent-Link

      Wobei die Entscheidungen der SPD in den Jahren der rot-grünen Koalition schon eher „Finanzhaien” entgegenkommen:

      Freistellung von Gewinnen aus Unternehmensveräusserungen,
      Zulassung von Hedgefonds auch für Privatanleger,
      Einführung zweier privatwirtschaftlich geführter Alterssicherungsmodelle (Riester und Rürup),
      Senkung des Spitzensteuersatzes von 53% auf 42%,
      Anpreisung von Derivaten und synthetischen Finanzprodukten durch Staatssekretäre des BMF in Fachzeitschriften,
      Verkauf von Unternehmen durch die Bundesregierung (Tank & Rast, Bundesdruckerei) an Private Equity Gesellschaften

      Aber das soll ja im zweiten Anlauf vermutlich alles anders werden, wieso eigentlich (also wieso sollte man das der SPD glauben)?

  7. Kalle
    Erstellt am 10. Mai 2009 um 11:48 | Permanent-Link

    Ich kann dir darauf keine allgemeingültige Antwort geben. Ich gehöre zu den Menschen, die Rot-Grün durchaus kritisch sehen. Für mich ist damals viel falsch gelaufen, beispielweise hat man es versäumt, einen allgemeinen Mindestlohn einzuführen. Ich habe hier bereits erörtert, dass auch Rot-Grün dem Deregulierungstrend unterlag.
    Das schadet natürlich der Glaubwürdigkeit. Aber es sollte nicht vergessen werden, dass FDP und insbesondere die Union zu Zeiten von Rot-Grün nicht völlig teilnahmslos daneben gestanden haben. Über den Bundesrat hat die Union sehr viel Einfluß genommen. Sie hat im Wesentlichen zu Agenda gesagt: „Gute Sache, aber bitte MEHR!”. Daraus wird ersichtlich, dass — bei allen Verfehlungen, die die SPD zu verantworten hat — sie immernoch eine deutliche bessere Alternative ist als Schwarz-Gelb.
    Weiteres zu dem Thema kannst du hier nachlesen: http://rotstehtunsgut.de/2009/04/20/warum-spd-wahlen/#comment-104

  8. Erstellt am 10. Mai 2009 um 20:10 | Permanent-Link

    Der Unterschied zwischen FDP/CDU und der SPD ist doch der, dass es bei den erstgenannten auch so (oder so ähnlich) im Programm stand, während sich doch manch SPD-Wähler/Mitglied verwundert bzw. verärgert die Augen gerieben hat, was denn aus der alten SPD geworden ist.
    Ich finde ja auch nicht alle Entscheidungen, die ich oben aufgeführt habe schlecht, sie entsprechen nur nicht unbedingt dem, was man von einer SPD-Regierung erwarten konnte.

    Wenn ich mir das jetzige Wahl-Programm anschaue, dann frage ich mich, was davon übrigbleibt, wenn man nach der Wahl Kassensturz macht, oder sich in einer ungeliebten Koalition wiederfindet (habe ich schon erwähnt, dass ich von einer weiteren „grossen” Koalition nach der Wahl ausgehe?).

    Mit einer SPD-Regierung gab es keine parlamentarische Opposition mehr gegen den „Umbau” des Sozialstaats und die ausserparlamentarische Opposition (Gewerkschaften etc.) tat sich auch verdammt schwer, gegen eine sozialdemokratische Regierung Stellung zu beziehen.

    • Kalle
      Erstellt am 10. Mai 2009 um 21:51 | Permanent-Link

      Stimmt dir im großen und ganzen zu. Ich gehöre nicht zu denen, die die Entscheidungen der SPD um jeden Preis verteidigen. Ich bin nur überzeugt, dass sie am ehesten die Probleme des Landes lösen kann, obwohl ich das den Grünen und einem Großteil der Linkspartei auch zutraue.

      Mann kann dein Argument übrigens auch umdrehen: CDU und FDP geben sich schon im Wahlprogramm asozial, die SPD hat wenigstens ein soziales Wahlprogramm, auch wenn nach der Wahl mal wieder vieles anders kommen wird als erhofft. Es kommt auf den Standpunkt an ;).

6 Trackbacks

  1. Von Christian Soeder am 27. April 2009 um 14:54
  2. Von Sven Gerst am 27. April 2009 um 15:00

    OMG, die spd lebt echt in ihrer eigenen welt.„wir haben ja verarschungen provoziert”. ich nenne das müll-marketing http://tinyurl.com/dn76l5

  3. Von Stephan Beyer am 27. April 2009 um 17:39

    Die Persiflagen auf die #SPD-Plakate sind sehr lustig, Link via @christiansoeder: http://rotstehtunsgut.de/2009/04/27/sp

  4. […] Ich bin schon auf die Video-Persiflagen gespannt, bei den Plakaten kamen ja tolle Dinge raus. […]

  5. Von Mehr SPD für Europa « Rot steht uns gut am 13. Mai 2009 um 17:32

    […] Die zweite Phase der SPD-Europawahlkampagne startet. Nach dem ersten Video und den Plakaten, die stark rezipiert wurden, geht es nun weiter mit den eigenen Inhalten, nachdem in der ersten Phase die Gegner angegriffen […]

  6. […] persönlich fand die Plakate und die Kampagne super. Die SPD-Mitglieder, mit denen ich gesprochen habe, fanden die Finanzhaie und die Dumpinglöhne […]

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