CSU-Bundesagrarministerin Ilse Aigner, die in der Öffentlichkeit gänzlich unbekannt ist, hat aus parteitaktischen Gründen heraus eine in der Sache richtige Entscheidung getroffen und den Anbau von Genmais verboten. Da die CSU befürchtet, bei den Europawahlen an der 5-Prozent-Hürde zu scheitern, ergreifen die Christsozialen jeden Strohhalm, der sich ihnen bietet. Obwohl der jetzige CSU-Ministerpräsident Bayerns Horst Seehofer in der Vergangenheit nicht gerade als Gentechnik-Gegner bekannt war, bezieht er jetzt gemeinsam mit Markus Söder urgrüne Positionen, um die CSU-Stammwähler nicht zu enttäuschen.
Ilse Aigner war also unter Zugzwang. Da sie sich mit der Entscheidung viel Zeit gelassen hat, ist zu vermuten, dass sie eigentlich keine Gentechnik-Gegnerin ist, sondern eher Befürworterin; sie führt nun zwar Sachgründe an, diese sind ihrerseits meiner Meinung nach jedoch nur vorgeschoben.
In der Sache wäre ich hier eigentlich voll auf CSU-Linie — wenn es denn tatsächlich CSU-Linie wäre. In Wahrheit ist es billiger Populismus der größten Regionalpartei Europas.
Das Genmais-Verbot ist die richtige Entscheidung. Die Risiken sind einfach zu groß, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Wenn mehr geforscht wurde, kann man wieder neu darüber reden, momentan jedoch wäre eine Zulassung verantwortungslos. Der Weg zum Genmais-Verbot ist zweifelhaft: ohne die anstehenden Europawahlen hätte die CSU wohl keinen Grund gehabt, sich für die grüne Sache stark zu machen.
Die möglichen Schadensersatzansprüche von Genmais-Hersteller Monsanto in Höhe von angeblich bis zu 7 Millionen Euro (laut SPON) sind indessen in heutigen Zeiten eine schlichtweg lächerliche Summe. In Zeiten, in denen ein ver.di-Chef Bsirske weitere 100 Milliarden Euro für Konjunkturpakete fordern kann, ohne geteert und gefedert zu werden.

„Richtige Entscheidung”? „Urgrüne Position”? Was ist an einem Anbauverbot effizienter, flächenschonender Nahrungsmittel bitte gut oder gar ökologisch sinnvoll?
Die Antwort dieses Artikels lautet: „Die Risiken sind einfach zu groß”. Reichlich dünn. Welche Risiken genau? Wo ist die Abwägung, wo sind Quellen? Ihr macht es euch echt ein Stück zu einfach. Aber eines stimmt wohl im Angesicht dieses polemischen Artikels ohne Faktengrundlage: Rot steht euch in der Tat gut.
Einfach mal mit Monsanto beschäftigen und dann haste die Antwort David..
Ganz langsam, lieber David. Die Fakten kannst Du in dem Beitrag von Jens lesen. Gerade dein Schlusswort ist da viel mehr Polemik, als der Artikel. Meines Erachtens muss ein Kommentar auch nicht immer alle Argumente wiederholen. Es reicht manchmal, wenn er die Ergebnisse bzw. die eigene Position auf den Punkt bringt. Sicherlich wäre es schöner gewesen, wenn Christian den Text tiefgehender begründet hätte, aber das hat Jens ja jetzt nachgeholt.
Wir bilden hier kein Kollektiv. Ist schwierig zu verstehen, ich weiß.
Der Gen-Mais MON810
Der Gentechnik-Mais MON810 des Konzerns Monsanto, der rund 90 Prozent des weltweiten Marktes für Gentechnik-Saatgut kontrolliert, ist ein Bt-Mais: In seine DNA wurde ein Gen des Bakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) eingeschleust. Dieses produziert ein Gift, welches bei Verzehr auf die Larven eines Kleinschmetterlings tödlich wirkt – dem Maiszünsler. Völlig unnötig! Denn der Befall durch den Schädling kann auch durch eine vielfältige Fruchtfolge oder das Unterpflügen der Erntereste vermieden werden.
Die Gefahren des Gen-Maises
1. Gentechnikfreie Landwirtschaft und Imker bedroht
Felder mit MON810 machen den gentechnikfreien Anbau von Mais auf lange Sicht unmöglich: Wind und Insekten tragen die Gen-Pollen über sehr große Entfernungen auf gentechnikfreie Felder. Über gemeinsam genutzte Erntemaschinen gelangt Gen-Saatgut in die Bestände der gentechnikfreien Landwirtschaft. Damit schleicht sich gentechnisch verändertes Erbgut in den Anbau von gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten. In den USA und Kanada ist dies schon Realität: Dort gibt es keinen Mais mehr ohne Spuren von Gentechnik. Auch für Imker kann MON810 Existenz bedrohend sein: Tragen die Bienen die Pollen von Gen-Mais in den Honig, ist dieser unverkäuflich (Urteil des Verwaltungsgerichts Augsburg, Mai 2008 ).
2. Keine Wahlfreiheit für Verbraucher/innen
Wenn sich Gentechnik in die Ernte von gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten mischt, verlieren wir Verbraucher/innen die Freiheit, zwischen Lebensmitteln mit und ohne Gentechnik zu wählen. Dabei sind die Auswirkungen des Verzehrs von gentechnisch veränderten Pflanzen auf unsere Gesundheit nur unzureichend erforscht. Dazu benötigt würden Langzeitversuche. Statt diese durchzuführen, machen die Gentech-Konzerne Millionen Menschen zu Probanden. Ein Anfang November 2008 veröffentlichte Langzeitstudie im Auftrag des österreichischen Gesundheitsministeriums zu den Risiken des Gen-Mais NK603xMON810 ergab, das Mäuse, die mit dem Gen-Mais gefüttert wurden, erheblich in ihrer Fruchtbarkeit beeinträchtigt sind (zur Studie).
3. Risiken für die Umwelt
Auch das Wissen über die Auswirkungen von Gen-Pflanzen auf ökologische Systeme ist gering. MON810 setzt auf Grund seiner Insektenresistenz erhebliche Toxinmengen frei. Deren Wirkung auf Schmetterlinge, Regenwürmer und Honigbienen ist weitgehend ungeklärt. Wissenschaftliche Studien haben aber immer wieder auf erhebliche Risiken und die große Unsicherheit im Umgang mit diesen hingewiesen (Bundesamt für Naturschutz, November 2007; Wissenschafts-Ausschuss der franz. Regierung).
4. Keine Antwort auf die Nahrungsmittelkrise
Befürworter der Gentechnik versprechen höhere Ernten und nahrhaftere Produkte, die dem Kampf gegen den Hunger zugute kämen. Doch für Kleinbauern in den Ländern des Südens ist das Saatgut nur teuer zu erwerben, zudem müssen sie spezielle Pestizide einsetzen. Die traditionelle Weitervermehrung des Saatguts ist verboten. Die Kleinbauern verschulden sich beim Saatgut-Erwerb und machen sich abhängig von großen Gen-Konzernen — ohne dass diese halten, was sie versprechen.