Protestgipfel beim Gipfeltreffen

Die Gipfeltreffen sind vorbei, die braven Bürgerinnen und Bürger in Baden-Baden, Kehl und Straßburg dürfen wieder ruhig schlafen. Keine Hundertschaften tram­peln mehr durch ihren Vorgarten, kein Polizist besteht mehr freund­lich, aber bestimmt, darauf, dass Briefkästen abzu­nehmen seien. Milch kann wieder ohne Polizeieskorte gekauft werden, Hotels sind nicht mehr in Gefahr, von „fried­lie­benden Demonstranten” abge­brannt zu werden. Für Frieden kann jetzt wieder unver­mummt demons­triert werden.

Auch die Regierenden sind’s zufrieden: es wurde viel geredet, doch auch viel entschieden. Die Weltwirtschaft ist zwar noch nicht gerettet, aber doch schon fast. Davon ist man jeden­falls über­zeugt. Auch die Nato muss nicht führungslos taumeln, und Angela Merkel darf frohen Mutes zurück nach Berlin fliegen — der neue Nato-Generalsekretär kommt aus Dänemark, dem Unbehagen der Türkei zum Trotz. Barack Obama, der moderne Messias, konnte Recep Tayyip Erdoğan, den Held der musli­mi­schen Welt, von seinem Anti-Kurs abbringen. Das Klassentreffen fand also doch noch sein glück­li­ches Ende, auch einige schöne Bilder konnten gemacht wurden.

Ein Verfahrensvorschlag für künf­tige Gipfeltreffen, auf dass sie nicht mehr in Protestgipfeln gipfeln: es möge künftig auf Flugzeugträgern gegip­felt werden. Ob die Gipfelnden den Gipfelprotest der Gipfelgegner in Baden-Baden oder in der Südsee nicht mitbe­kommen, das ist einerlei. Der Vorteil eines solchen außer­or­tigen Gipfeltreffens ist offen­sicht­lich: man spart Zeit und Geld. Außerdem können irgend­welche Terrortouristen nicht die Gelegenheit nutzen, um unschul­dige Bushaltestellen abzu­fa­ckeln. Nachteile fallen mir keine ein. Man komme mir nicht mit Bürgerferne. Bürgerferner als voriges Wochenende geht es kaum.

Über Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

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